Weniger neue Bausparverträge - Branchenberichte normalisieren - Bausparkassen in Deutschland: Nach dem Boom kommt die Ernüchterung
Bausparkassen in Deutschland erleben nach Boomphase eine Abkühlung
Nach einem Nachfrageschub, ausgelöst durch steigende bauzinsen, steht der deutsche Bausparkassensektor vor einer Abschwungphase. Der Markt, der vor allem von staatlich gestützten Anbietern in Regionen wie Baden-Württemberg dominiert wird, verzeichnete Rekordaktivitäten, als Kreditnehmer sich beeilten, noch günstige Konditionen zu sichern. Nun, da sich die Zinsen auf höherem Niveau stabilisieren, gehen die Neugeschäfte zurück.
Der Run auf Bausparverträge begann Mitte 2022, als die Zinsen stark anzogen. Viele setzten auf diese Modelle, um sich gegen höhere Kreditkosten abzusichern. Bei Bausparverträgen zahlen Sparer über mehrere Jahre ein, um später ein zinsgünstiges Darlehen zu erhalten – ein Modell, das langfristige finanzielle Planungssicherheit bietet.
Baden-Württemberg bleibt das Zentrum der Branche und beherbergt vier große Institute. Gemeinsam vereinten sie 2024 über 60 Prozent aller Neugeschäfte bundesweit – gemessen am Sparvolumen. Zu den größten Anbietern zählen die Landesbausparkasse (LBS Südwest) und die Sparkassen-Finanzgruppe sowie Schwäbisch Hall und weitere große Bausparkassen, die ihre Verträge über lokale Banken vertreiben. Die öffentlich geförderten Bausparkassen schlossen in den ersten neun Monaten 2025 rund 297.000 neue Verträge mit einem Volumen von 16,5 Milliarden Euro ab. Das entspricht einem Rückgang um 13,9 Prozent bei der Vertragszahl und um 20,8 Prozent beim Sparvolumen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Verband der privaten Bausparkassen erwartet, dass sich dieser Trend nach dem jüngsten Boom fortsetzt.
Aktuell bieten Bausparverträge Darlehenszinsen zwischen 0,45 und knapp unter 2,5 Prozent – abhängig von Tarif und Sparphase. Demgegenüber liegen die Zinsen für Standard-Hypotheken mit mindestens zehnjähriger Zinsbindung für bonitätsstarke Kreditnehmer mittlerweile bei über 4 Prozent. Die ultra-niedrigen Zinsen der Europäischen Zentralbank nach der Finanzkrise hatten günstige Kredite lange zur Norm gemacht und den Sektor unter Druck gesetzt.
Der Rückgang bei den Neugeschäften folgt auf Jahre mit hoher Nachfrage, getrieben durch steigende Kreditkosten. Die staatlich geförderten Anbieter halten weiterhin etwa ein Drittel des deutschen Marktes, der Rest entfällt auf private Unternehmen. Nun steht die Branche vor einer Anpassungsphase, während sich die Zinsen auf höherem Niveau einpendeln.
