12 February 2026, 04:24

BGH verhandelt bahnbrechenden Fall zur Cannabis-Werbung in Deutschland

Ein deutsches Propagandaplakat mit zwei Männern in Mützen, die Zigaretten rauchen, mit Textinformationen über sie.

BGH diskutiert Werbung für verschreibungspflichtiges medizinisches Cannabis - BGH verhandelt bahnbrechenden Fall zur Cannabis-Werbung in Deutschland

Bundesgerichtshof entscheidet diese Woche über richtungsweisenden Fall zu Werbung für medizinisches Cannabis

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Der Bundesgerichtshof (BGH), Deutschlands höchstes Zivilgericht, wird in dieser Woche über einen zentralen Rechtsstreit zur Werbung für medizinisches Cannabis verhandeln. Das Gericht prüft eine Revision gegen ein Urteil, das einer Online-Plattform untersagt hatte, Cannabis-Rezepte zu bewerben. Die Verhandlung ist für Donnerstag, 10:00 Uhr, angesetzt und steht im Zusammenhang mit einem Streit darüber, wie solche Dienstleistungen rechtlich vermarktet werden dürfen.

Die betroffene Plattform vermittelt Patienten an Ärzte, die bereit sind, Cannabis zu verschreiben. Sie gehört zu einer Unternehmensgruppe, die mit einem pharmazeutischen Großhändler und einem Online-Apotheken-Marktplatz verbunden ist. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die anhaltenden Spannungen um Werberegeln im wachsenden Markt für medizinisches Cannabis in Deutschland.

Auslöser des Rechtsstreits war ein Vorgehen der deutschen Wettbewerbsbehörde gegen die Terminbuchungsplattform. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main hatte zuvor entschieden, dass deren Werbung rechtswidrig sei. Die Richter befanden, die Anzeigen üben Druck auf Patienten aus, Cannabis-Rezepte zu erwirken, und verstoßen damit gegen Verbraucherschutzbestimmungen.

Medizinisches Cannabis ist in Deutschland seit 2017 legal, wobei die Zahl der Verschreibungen kontinuierlich steigt. Zwar gibt es keine genauen Patientenzahlen, doch internationale Vergleiche deuten darauf hin, dass mittlerweile fast 1 % der Bevölkerung es nutzen könnte. Die Kosten werden nur für chronisch Kranke übernommen, wenn andere Behandlungen erfolglos blieben – die gesamten Gesundheitsausgaben für den Zeitraum 2017 bis 2024 wurden jedoch nicht öffentlich detailliert.

Die BGH-Entscheidung fällt in eine Phase, in der die Bundesregierung strengere Regeln für medizinisches Cannabis vorbereitet. Geplant ist unter anderem ein Verbot von Erstverschreibungen über telemedizinische Konsultationen. Der Fall (Aktenzeichen I ZR 74/25) wird klären, ob die Marketingpraktiken der Plattform rechtliche Grenzen überschreiten – oder ob die Frankfurter Einschränkungen zu weit gehen.

Das Urteil des BGH könnte Präzedenzcharakter für die Werbung von Cannabis-Dienstleistern in Deutschland haben. Scheitert die Revision, müsste die Plattform ihre Marketingstrategie grundlegend überarbeiten. Unabhängig vom Ausgang wird das Ergebnis die künftige Regulierung eines Sektors prägen, der bereits mit verschärften staatlichen Kontrollen konfrontiert ist.