CDU streitet über Cannabis-Rücknahme, Wehrdienst und Handyverbote in Schulen
Oswin BolanderCDU streitet über Cannabis-Rücknahme, Wehrdienst und Handyverbote in Schulen
CDU-Bundesparteitag in Stuttgart: Streit um Cannabis, Wehrdienst und Handynutzung in Schulen
Auf dem Bundesparteitag der CDU in Stuttgart stehen an diesem Freitag und Samstag mehrere umstrittene politische Themen auf der Agenda. Die Delegierten stimmen über Vorlagen zu Gesundheit, Bildung, Verteidigung und Wirtschaft ab – unterstützt von unterschiedlichen Parteiflügeln.
In den vergangenen Wochen haben sich die Debatten zugespitzt, da Landesverbände und nahestehende Organisationen in Bereichen wie Cannabisgesetzgebung, Wehrpflicht und Haushaltsdisziplin Veränderungen fordern.
Einer der umstrittensten Vorschläge kommt von der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT). Sie verlangt die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung und argumentiert, dass die hohen Fehlzeiten strengere Kontrollen erforderten. Zudem hat die MIT ihre Haltung zu Teilzeitarbeit gelockert: Statt einer pauschalen Ablehnung wirbt sie nun für "strukturierte" Modelle, lehnt aber sogenannte "Lifestyle-Teilzeit" ab.
Die Frauen-Union treibt zwei zentrale Forderungen voran. Erstens verlangt sie eine Rücknahme der Cannabis-Legalisierung von 2024 – obwohl Studien seit April keinen deutlichen Anstieg des Konsums oder von Fahrten unter Einfluss zeigen. Die Zustimmung zu kommerziellem Verkauf ist zwar von 59 auf 42 Prozent gesunken, doch der Fokus liegt nun auf schärferen Regeln für medizinisches Cannabis. Zweitens fordert die Gruppe einen schnelleren Ausbau des neuen freiwilligen Wehrdienstmodells.
In der Bildungspolitik setzen sich Frauen-Union und MIT gemeinsam für bundesweite Vorgaben zum Handyverbot in Schulen ein. Der CDU-Landesverband Schleswig-Holstein schlägt zudem ein Mindestalter von 16 Jahren für Social Media sowie eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke vor, um die Ernährung von Jugendlichen zu verbessern.
Auch die Wirtschaftspolitik steht zur Diskussion. Die Junge Union besteht darauf, dass die Partei weitere Lockerungen der Schuldenbremse im Grundgesetz ablehnen muss. Gleichzeitig wirbt der CDU-Kreisverband Rhein-Erft für eine Unterstützung der deutschen Bewerbung um die Fußball-WM 2042 – als Chance für Infrastruktur und internationales Ansehen.
Der Parteitag wird die CDU-Linie in Fragen von Gesundheitspolitik bis Haushaltsdisziplin prägen. Entscheidungen zu Cannabis, Wehrdienst und Digitalregulierung könnten die politische Debatte im kommenden Jahr beeinflussen. Regionale Initiativen wie die Zuckersteuer oder Altersgrenzen für Social Media könnten bundesweit an Fahrt gewinnen, falls sie auf dem Parteitag mehrheitsfähig werden.
