Deutsche Autoindustrie in der Krise: Zehntausende Jobs und Milliardenverluste drohen
Gretel BirnbaumDeutsche Autoindustrie in der Krise: Zehntausende Jobs und Milliardenverluste drohen
Deutschlands Autoindustrie steht vor schweren Herausforderungen, da Zulieferer mit dem Umstieg auf Elektrofahrzeuge und der Konkurrenz aus China kämpfen. Städte wie Rastatt, die von Automobilherstellern abhängig sind, verzeichnen drastische Rückgänge bei den Steuereinnahmen, während Großkonzerne wie ZF und Bosch massive Stellenstreichungen ankündigen.
Laut aktuellen Studien der IG Metall und des VDA waren seit 2023 bis zu 120.000 Arbeitsplätze in der Branche bedroht oder bereits verloren gegangen.
Besonders hart trifft die Krise die Zulieferer. Allgeier Automotive in Uhingen, Schwaben, das einst 750 Beschäftigte hatte, meldete im Dezember 2022 Insolvenz an und schloss seine Tore. Andere Unternehmen steigen ganz aus dem Automobilsektor aus oder stoppen Investitionen in neue Technologien wegen der hohen Kosten.
ZF, der weltweit größte Zulieferer, kämpft mit Milliardenverschuldung und könnte bis zu 14.000 Stellen streichen – etwa ein Viertel seiner deutschen Belegschaft. Bosch plant bis 2030 den Abbau von 22.000 Arbeitsplätzen. Allein 2022 gingen in der Branche bereits 50.000 Jobs verloren.
In Rastatt hat der Niedergang der Autoindustrie die Gewerbesteuereinnahmen von einst 90 Millionen Euro pro Jahr auf voraussichtlich nur noch ein Drittel bis 2025 schrumpfen lassen. Der Haushalt der Stadt, der stark vom Daimler-Werk abhängt, steht bereits ab dem nächsten Jahr vor einer möglichen Krise.
Einige Branchenvertreter sehen Lösungsansätze in neuen Strategien. Michael Brecht, Vorsitzender des Betriebsrats von Daimler Truck, fordert, dass Deutschland eigene Batteriezellenfabriken aufbauen müsse, um die Zukunft der Branche zu sichern. Der neue ZF-Chef Mathias Miedreich betrachtet die Krise als Chance, sich auf Fahrzeugsicherheit und autonomes Fahren zu konzentrieren – mit dem Ziel, chinesische Konkurrenten wie BYD und CATL zu überflügeln.
Der Wandel zur E-Mobilität und der Druck durch chinesische Hersteller haben die deutsche Autoindustrie grundlegend verändert. Mit sinkenden Steuereinnahmen, wegfallenden Arbeitsplätzen und kämpfenden Zulieferern müssen Städte wie Rastatt sich schnell anpassen. Das Überleben der Branche könnte von neuen Investitionen in die Batterieproduktion und fortschrittliche Technologien abhängen.
