07 June 2026, 14:10

Deutschland verpasst EU-Frist für Lohntransparenz – und riskiert Konsequenzen

Deutschland verstößt gegen EU-Regeln zur Lohngleichheit

Deutschland verpasst EU-Frist für Lohntransparenz – und riskiert Konsequenzen

Deutschland hat die EU-Frist für die Einführung neuer Lohntransparenzgesetze verpasst. Das Land hätte bis Montag, den 10. Juni 2026, strengere Regelungen umsetzen müssen, doch die notwendige Gesetzgebung steht noch aus. Die Europäische Kommission könnte nun rechtliche Schritte gegen Berlin einleiten, weil die EU-weiten Vorgaben nicht eingehalten wurden.

Die aktualisierte EU-Richtlinie zur Lohntransparenz zielt darauf ab, die Lohnungleichheit zu bekämpfen, indem sie Arbeitnehmern stärkere Rechte einräumt. Nach den neuen Bestimmungen können Beschäftigte detaillierte Informationen über das durchschnittliche Gehalt für vergleichbare Positionen anfordern – aufgeschlüsselt nach Geschlecht. Arbeitgeber müssen zudem in Stellenausschreibungen die Einstiegsgehälter angeben und dürfen Bewerber nicht mehr nach ihren vorherigen Einkünften fragen.

Unternehmen mit 100 oder mehr Mitarbeitern müssen zusätzliche Auflagen erfüllen. Sie sind verpflichtet, regelmäßig Berichte über ihre geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede zu veröffentlichen, um die Diskrepanzen sichtbarer zu machen. Der aktuelle EU-weite Gender-Pay-Gap liegt bei 11,1 %, in Deutschland verdienen Frauen jedoch im Schnitt 15,6 % weniger pro Stunde als Männer.

Das bestehende Entgelttransparenzgesetz, das Deutschland 2017 eingeführt hat, erlaubt Arbeitnehmern bereits, Gehaltsvergleiche innerhalb ihres Unternehmens anzufordern. Allerdings machen nur wenige Beschäftigte von diesem Recht Gebrauch – oft aus Sorge vor möglichen negativen Konsequenzen. Die Bundesregierung plant nun, die EU-Reformen Anfang 2027 umzusetzen, mehrere Monate später als vorgesehen.

Die Europäische Kommission könnte ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland wegen der Verzögerung einleiten. Falls die neuen Gesetze verabschiedet werden, müssen Arbeitgeber künftig offener über ihre Gehaltsstrukturen informieren. Dies würde einen bedeutenden Wandel in der Überwachung von Lohngerechtigkeit im Land bedeuten.

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