24 April 2026, 22:11

Die DDR und ihr kurzes Rendezvous mit Joseph Beuys im Jahr 1988

Plakat für die 49. Jahresausstellung amerikanischer Malerei und Skulptur des Art Institute of Chicago, das Text- und Bildmaterial zum Ereignis enthält.

Die DDR und ihr kurzes Rendezvous mit Joseph Beuys im Jahr 1988

1988 richtete die DDR ihre erste und einzige Ausstellung zu den frühen Werken von Joseph Beuys aus. Die unter dem Titel "Beuys vor Beuys" laufende Schau war von Mitte Januar bis Mitte Mai zu sehen. Sie markierte einen seltenen Moment für einen Künstler, der jahrelang als "unerwünschte Person" unter der sozialistischen Kulturpolitik des Landes galt.

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Die Ausstellung entstand ursprünglich als Projekt des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Nach Verhandlungen wurde sie von der DDR übernommen und in zwei Einrichtungen gezeigt: im Berliner Marstall und an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Die Sammlung umfasste 216 Werke aus dem Bestand der Familie van der Grinten, die alle zwischen 1946 und 1966 entstanden waren.

Bemerkenswert war, dass die Schau jede Erwähnung von Beuys' späterer Rolle als gesellschaftlich engagierter Künstler oder Demokrat vermied. Trotz dieser Auslassung blieb sein Einfluss unbestritten. Manfred Wekwerth, Präsident der Akademie der Künste, räumte ein, dass Beuys' Werk selbst nach dessen Tod 1986 nicht länger ignoriert werden konnte.

Jahre lang hatte die DDR Beuys aus ihrem kulturellen Leben ausgegrenzt. Die Ausstellung von 1988 durchbrach dieses Schweigen für kurze Zeit – wenn auch innerhalb streng kontrollierter Grenzen.

Die Schau "Beuys vor Beuys" bot einen begrenzten, aber beispiellosen Einblick in die frühe Schaffensphase des Künstlers. Vier Monate lang wurde sie in zwei Städten gezeigt und präsentierte Werke, die zuvor in DDR-Galerien keine Beachtung fanden. Die Veranstaltung spiegelte eine vorsichtige Lockerung der Kulturpolitik wider, doch Beuys' umfassenderes Erbe blieb unberücksichtigt.

Quelle