Erlangen verbietet Partyhits auf dem Bergkirchweih – Streit um Zensur oder Respekt
Oswin BolanderErlangen verbietet Partyhits auf dem Bergkirchweih – Streit um Zensur oder Respekt
Erlangens Stadtverwaltung verbietet klassische Partyhits auf dem Bergkirchweih-Volksfest
Die Stadtverwaltung Erlangen hat für das diesjährige Bergkirchweih-Fest eine Liste klassischer Partyhymnen verboten. Der Schritt folgt Beschwerden über aggressives Verhalten sowie als sexistisch oder beleidigend eingestufte Songtexte. Die Veranstalter fordern Gastwirte nun auf, Titel aus dem neu erstellten Index nicht mehr zu spielen.
Auslöser ist eine Beschwerde aus dem Jahr 2023 über „problematische“ Lieder und randalierende Festbesucher. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Stadtrat – unterstützt von mehreren Parteien – Texte verurteilt, die „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ enthalten. Nun stehen auch bekannte Stücke auf der schwarzen Liste, darunter satirische Hits wie Skandal im Sperrbezirk.
Gastwirte reagieren skeptisch und fragen, ob die Einschränkungen zu weit gehen. Jürgen Thurnau, Frontmann der Spider Murphy Gang, verglich die Situation mit der DDR und kündigte an, die Texte seiner Band nicht zu ändern. Der Sänger Peter Wackel, dessen Lied Joana eine als anstößig markierte Zeile enthält, behauptet unterdessen, viele Künstler hätten „null Bock“, wegen solcher Regeln in Deutschland aufzutreten.
Die Stadt betont, die Maßnahmen dienten einem diskriminierungsfreien Fest. Bei fast einer Million erwarteter Besucher wollen die Verantwortlichen für eine respektvolle und inklusive Atmosphäre sorgen.
Das Verbot hat eine Debatte zwischen Künstlern, Gastwirten und Behörden ausgelöst. Während die Stadt auf mehr Respekt pocht, warnen Kritiker vor einer Einschränkung von Tradition und künstlerischer Freiheit. Das Fest findet unter den neuen Richtlinien statt – doch der Widerstand von Musikern und Betreibern bleibt groß.






