Generalbundesanwaltschaft: Zwischen Terrorjagd und Skandalen seit 1950
Selma SchmiedtGeneralbundesanwaltschaft: Zwischen Terrorjagd und Skandalen seit 1950
Bundesanwaltschaft: Zwischen Großfahndungen und Kritik – eine wechselvolle Geschichte
Seit ihrer Gründung vor über sieben Jahrzehnten steht die Generalbundesanwaltschaft immer wieder im Fokus – sowohl wegen spektakulärer Ermittlungen als auch wegen harter Kritik. Was 1950 mit nur zehn Mitarbeitenden begann, ist heute eine Behörde mit 350 Beschäftigten, darunter rund 180 Staatsanwält:innen, die von rechtsextremen Netzwerken bis hin zu internationaler Sabotage ermittelt. Aktuelle Razzien und laufende Prozesse zeigen, wie sich ihre Rolle im Kampf gegen komplexe Bedrohungen wandelt.
Am 1. Oktober 1950 nahm die Behörde mit einem kleinen Team ihre Arbeit auf, zunächst zuständig für schwere Straftaten. Mittlerweile erstreckt sich ihr Aufgabenbereich auf Terrorismus, Extremismus und sogar internationale Vorfälle wie die mutmaßliche ukrainische Sabotage an russischen Pipelines.
Ein dunkles Kapitel schrieb die Bundesanwaltschaft 1977, als ein RAF-Kommando den damaligen Generalbundesanwalt Siegfried Buback und zwei Begleiter ermordete. Jahrzehnte später, 2011, geriet sie erneut in die Schlagzeilen, weil sie die rechtsextremistischen Hintergründe der NSU-Terrorzelle nicht frühzeitig erkannt hatte.
Auch die Führungsebene war immer wieder umstritten: 2007 wurde die damalige Generalbundesanwältin Monika Harms vom Bundesgerichtshof gleich sechsmal wegen überzogener Anti-Terror-Maßnahmen gerügt. 2015 entließ Justizminister Heiko Maas ihren Nachfolger Harald Range wegen "Vertrauensverlusts". Und bereits 2006 hatte ein Staatsanwalt vergeblich die Freisprüche für den Schiedsrichter Robert Hoyzer gefordert – der später wegen Bestechung im Fußball-Wettskandal verurteilt wurde.
Aktuell leitet Jens Rommel (FDP), seit 2024 im Amt, eine Behörde, die sich unter anderem mit rechtsextremen Strukturen befasst. Zehn Beschuldigte aus dem Umfeld der Gruppe "Letzte Verteidigungswelle" – Teil der Reichsbürger-Bewegung – müssen sich verantworten, darunter ein mutmaßlicher Rädelsführer und zwei Männer, die gewaltsame Angriffe auf angebliche Pädophile verübt haben sollen. Parallel ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen acht weitere Personen wegen Volksverhetzung in mindestens 488 Fällen, die mit einem rechtsextremen Verlag in Verbindung stehen. Die Razzien vom 25. August 2025 markierten einen wichtigen Schritt in diesen Verfahren.
Doch die Bundesanwaltschaft ist nicht nur für Extremismusfälle zuständig: Sie wirkt auch bei Revisionen vor dem Bundesgerichtshof mit und prägt so maßgeblich die Rechtsprechung in brisanten Verfahren.
Zwischen hochkarätigen Ermittlungen und öffentlicher Beobachtung bleibt die Behörde eine zentrale Säule des deutschen Justizsystems. Mit ihrem aktuellen Fokus auf rechtsextreme Netzwerke und internationale Sabotage spiegelt sie die wachsenden Sicherheitsherausforderungen wider. Mit 350 Mitarbeitenden, einer Geschichte aus Erfolgen und Kontroversen – und einer ungebrochenen Bedeutung für den Rechtsstaat.






