Gerichtsbegleithunde erhalten bundesweite Zertifizierung für mehr Sicherheit im Zeugenstand
Sandro GuteStreicheln statt Schweigen - Wie Hunde im Gericht helfen - Gerichtsbegleithunde erhalten bundesweite Zertifizierung für mehr Sicherheit im Zeugenstand
Deutschland startet erstes bundesweites Zertifizierungsprogramm für Gerichtsbegleithunde
Deutschland hat das erste landesweite Zertifizierungsprogramm für speziell ausgebildete Begleithunde in Gerichtsverfahren eingeführt. Die Tiere sollen Zeugen und Opfer während juristischer Prozesse unterstützen. Ziel der Initiative ist es, eine ruhige Atmosphäre zu schaffen und Betroffenen zu helfen, aussagekräftigere und klarere Schilderungen vor Gericht abzugeben.
Das Programm ist bundesweit einzigartig und bietet eine strukturierte Ausbildung für die Hunde und ihre Führpersonen. Dazu gehören theoretischer Unterricht, praktische Übungen und eine abschließende Prüfung. Nur Hunde mit einem ausgeglichenen Wesen – die auch in emotional aufgeladenen Situationen gelassen bleiben – werden für diese Aufgabe ausgewählt.
Ein Tierarzt überwacht während ihres Einsatzes das Wohl der Hunde. Nach der Zertifizierung arbeiten sie eng mit Zeugen zusammen, oft indem sie einfach neben ihnen liegen und als "Ankerpunkt" dienen. Studien zeigen, dass ihre Anwesenheit den Blutdruck senken, die Atmung beruhigen und Ängste lindern kann – besonders bei Opfern sexualisierter Gewalt.
In Baden-Württemberg sind Gerichtsbegleithunde bereits seit Jahren im Einsatz: Sie unterstützen Zeugen in Prozessen, Frauenhäuser und sogar die Resozialisierung von Gefangenen. Auch Bayern, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen haben ähnliche Projekte eingeführt. Langfristig soll das Programm auf alle Bundesländer ausgeweitet werden.
Forschungen belegen, dass Hunde als "sozialer Katalysator" wirken: Sie stärken das Vertrauen und helfen Opfern, kohärentere Aussagen zu machen. Auch Richter profitieren davon, da entspannte Zeugen in der Regel präzisere und aussagekräftigere Schilderungen liefern.
Das Zertifizierungsprogramm markiert einen wichtigen Schritt zur Verbesserung der rechtlichen Unterstützung für besonders schutzbedürftige Zeugen. Da bereits mehrere Teams aktiv sind, wird die Initiative weiter wachsen. Die Anwesenheit der Tiere soll Gerichtsverhandlungen weniger einschüchternd gestalten und die Qualität von Zeugenaussagen steigern.
