Heidi Reichinneks Audi-Affäre: Wie die AfD mit falschen Vorwürfen von eigenen Skandalen ablenkt
Oswin BolanderStreit um den Dienstwagen von Heidi Reichinnek: Kann sich eine Linken-Politikerin Luxus leisten? - Heidi Reichinneks Audi-Affäre: Wie die AfD mit falschen Vorwürfen von eigenen Skandalen ablenkt
Ein Streit in den sozialen Medien ist um ein Auto entbrannt, das mit Heidi Reichinnek, der Vorsitzenden der Linksfraktion im Bundestag, in Verbindung gebracht wird. Die rechtspopulistische AfD warf ihr vor, einen teuren Audi A8 zu fahren – was Vorwürfe der Heuchelei und Privilegienkultur auslöste. Schnell kamen Fragen auf, wem das Fahrzeug tatsächlich gehört und ob die Kritik berechtigt ist.
Gleichzeitig gerät die AfD selbst zunehmend unter Druck wegen des Verdachts auf Vetternwirtschaft in den eigenen Reihen. Es gibt Vermutungen, der Angriff auf Reichinnek könnte eine Ablenkungstaktik sein.
Auslöser der Kontroverse war ein online veröffentlichtes Foto, das Heidi Reichinnek neben einem Audi A8 mit dem persönlichen Kennzeichen B-HR 419 zeigt. Die AfD-Abgeordnete Beatrix von Storch stellte umgehend infrage, ob das Auto der Politikerin gehöre und wer die Kosten trage. Der Listenpreis des Modells – rund 106.000 Euro – befeuerte die Vorwürfe der Prasserei.
Doch das Magazin stern klärte später auf, dass es sich nicht um Reichinneks Privatbesitz handle. Vielmehr sei es ein Leasingfahrzeug, das von der Führungsebene der Linken genutzt werde. Persönliche Kennzeichen seien unter Spitzenpolitikern üblich, und Leasingverträge mit großen Automobilherstellern gehörten im Bundestag zum Standard. Dienstwagen gelten für Fraktionsvorsitzende angesichts ihrer vollen Terminkalender zudem als praktische Notwendigkeit.
Kritiker wandten sich daraufhin gegen von Storch und warfen ihr vor, auf eine Falschmeldung hereingefallen zu sein. An demselben Fahrzeug seien unterschiedliche Nummernschilder gesichtet worden, was Zweifel an der ursprünglichen Behauptung weckte. Manche vermuten, die AfD nutze den Vorstoß gegen Reichinnek, um von den eigenen Problemen abzulenken.
Die Partei steht derzeit wegen mutmaßlicher Vetternwirtschaftsnetzwerke in der Kritik, insbesondere in Sachsen-Anhalt. Untersuchungen förderten mehrere Fälle zutage, in denen Angehörige von AfD-Abgeordneten beschäftigt wurden: - Die AfD-Politikerin Claudia Weiss hat drei Geschwister von Tobias Rausch eingestellt, während ihre eigene Tochter für die Landtagsfraktion arbeitet. Auch Rauschs Ehefrau ist dort beschäftigt. - Angehörige von Martin Reichardt wurden von Jan Wenzel Schmidt angestellt. - Der Vater von Ulrich Siegmund und die Eltern von Matthias Büttner arbeiteten für Thomas Korell. - Die Ehefrau von Hans-Thomas Tillschneider war bei Schmidt beschäftigt.
Auf Nachfrage wies Markus Frohnmaier die Vorwürfe zurück. Zwar räumte er ein, dass seine Frau für einen anderen AfD-Abgeordneten arbeite, bestritt jedoch jedes Fehlverhalten.
Die Debatte um Reichinneks Auto hat die gängige Praxis von Dienstwagen für Fraktionsvorsitzende ins Rampenlicht gerückt. Die Vorwürfe der AfD hingegen lenken kaum von den eigenen Vetternwirtschafts-Skandalen ab. Die Ermittlungen zu den Einstellungspraktiken in der Partei dauern an – mehrere Fälle, in denen Abgeordnete Familienmitglieder beschäftigten, stehen unter kritischer Prüfung.
