Karlsruher SC: Sozialarbeiter zahlen Bußen nach Pyro-Skandal und vermeiden Prozess
Selma SchmiedtPyro-Skandal: Prozess gegen Fan-Projekt-Trio eingestellt - Karlsruher SC: Sozialarbeiter zahlen Bußen nach Pyro-Skandal und vermeiden Prozess
Drei Sozialarbeiter des Karlsruher SC haben einen Rechtsstreit über ihre Weigerung, nach einem Pyro-Vorfall im Karlsruher Stadion auszusagen, außergerichtlich beigelegt. Das Verfahren, das mit einem Spiel im November 2022 in Verbindung steht, bei dem elf Personen verletzt wurden, wurde eingestellt, nachdem sich die Angeklagten zur Zahlung von Geldbußen bereit erklärt hatten. Ihre Entscheidung folgt auf eine Verurteilung wegen versuchter Justizbehinderung im vergangenen Jahr.
Der Fall begann, als die drei Mitarbeiter sich weigerten, mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten, nachdem bei einem Spiel des Karlsruher SC eine Pyro-Show zu Verletzungen geführt hatte. Sie argumentierten, eine Aussage würde das Vertrauen der Fans in ihre Arbeit zerstören. Ein Karlsruher Amtsgericht verurteilte sie 2023 zu Geldstrafen im unteren vierstelligen Bereich.
Während der Berufungsverhandlung vor dem Landgericht nahmen die Angeklagten einen Vorschlag des Vorsitzenden Richters Peter Stier an. Die Staatsanwaltschaft und die drei Sozialarbeiter einigten sich darauf, das Verfahren gegen Zahlungen an eine gemeinnützige Organisation einzustellen. Die Strafen – 3.150, 1.500 und 2.022 Euro – fließen an eine wohltätige Einrichtung.
Die Angeklagten betonten, ihre Zustimmung solle ein Signal für eine bessere künftige Zusammenarbeit mit der Justiz setzen. Unterdessen nutzen Fanorganisationen in ganz Deutschland den Fall, um weitergehende rechtliche Absicherungen zu fordern, darunter ein erweiterter Zeugnisverweigerungsanspruch für Sozialarbeiter in der Fanbetreuung.
Solche Konflikte sind im deutschen Fußball selten. In den vergangenen fünf Jahren gab es in der 2. Bundesliga – auch bei Vereinen wie Schalke 04, dem Hamburger SV oder Fortuna Düsseldorf – keine vergleichbaren öffentlich bekannten Fälle, in denen Mitarbeiter von Fanprojekten die Aussage verweigerten. Die meisten Streitigkeiten werden intern oder vor Gericht geklärt, ohne größere Aufmerksamkeit zu erregen.
Die Einigung beendet ein juristisches Kapitel, das mit dem Pyro-Vorfall Ende 2022 begann. Die drei Sozialarbeiter entgehen weiteren Ermittlungen, müssen jedoch ihre finanziellen Verpflichtungen erfüllen. Der Fall hat zudem die Debatte über das Spannungsfeld zwischen rechtlichen Pflichten und der notwendigen Vertraulichkeit in der Fanbetreuung neu entfacht.
