Kölner Archiv-Einsturz 2009: Warum die Baustelle bis heute unvollendet bleibt
Selma SchmiedtKölner Archiv-Einsturz 2009: Warum die Baustelle bis heute unvollendet bleibt
Ein tragisches Bauunglück erschütterte Köln im Jahr 2009, als das historische Stadtarchiv in eine U-Bahn-Baustelle einstürzte. Bei dem Vorfall wurden 1,7 Millionen historische Dokumente verschüttet, zwei Menschen kamen ums Leben. Mehr als ein Jahrzehnt später ist die Baustelle immer noch nicht fertiggestellt, und die juristischen Konsequenzen haben sich im Laufe der Zeit gewandelt.
Der Einsturz ereignete sich während der Arbeiten an der Nord-Süd-U-Bahn-Linie, einem Projekt unter der Aufsicht der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB). Obwohl die KVB keine Erfahrung mit derart groß angelegten Bauvorhaben hatte, leitete sie die Baustelle. Vor der Katastrophe waren entscheidende Stahlträger gestohlen und an einen Schrotthändler verkauft worden – die Statik des Gebäudes war dadurch schwer beeinträchtigt.
Zwei junge Männer starben in benachbarten Häusern, als der Boden nachgab. Der Einsturz beschädigte zudem nahegelegene Kirchen, riss Risse in ihre Fundamente und ließ sie absacken. Rettungskräfte verbrachten Monate damit, durch Schutt und zerrissenes Papier zu sieben; einige Dokumente konnten erst fast ein Jahr später geborgen werden.
2018 verurteilte ein Gericht den Bauleiter und den verantwortlichen Bauingenieur zu Bewährungsstrafen. Doch bis 2024 wurden alle Anklagen fallen gelassen. Heute ist die Stelle nur teilweise verfüllt, von Gestrüpp überwuchert und immer noch eine Baustelle. Gleichzeitig schreiten die Arbeiten an der U-Bahn-Linie voran – bald soll der provisorische Beton entfernt werden.
Die Aktivistengruppe ArchivKomplex setzt sich für eine Mitsprache bei den Pläne zur Neugestaltung des Geländes ein. Zudem fordern sie eine würdige Erinnerung an die Katastrophe und ihre Opfer.
Der Einsturz hat in Köln sowohl physische als auch rechtliche Spuren hinterlassen. Während der U-Bahn-Bau fortschreitet, bleibt die Stelle selbst eine sichtbare Narbe in der Stadt. Der Einsatz für eine angemessene Erinnerung und eine sinnvolle Nachnutzung wird weiter vorangetrieben – von Aktivisten und betroffenen Anwohnern gleichermaßen.






