22 March 2026, 08:13

Krise im Berliner Haus der Kulturen: Warum Künstler nach Chefket-Absage fliehen

Alter Buchumschlag mit dem Titel "Berliner Leben", der eine Gruppe von Menschen in festlicher Stimmung, ein deutsches Militär-Logo und zusätzlichen Text zeigt.

Krise im Berliner Haus der Kulturen: Warum Künstler nach Chefket-Absage fliehen

Das Haus der Kulturen der Welt (HKW) in Berlin steckt in einer eskalierenden Krise, nachdem die Absage eines Auftritts des Rappers Chefket eine breite Welle der Empörung auslöste. Der Vorfall hat die Gräben um künstlerische Freiheit und politischen Einfluss in deutschen Kultureinrichtungen weiter vertieft. Gleichzeitig hat das HKW, trotz seiner prominenten Lage in unmittelbarer Nähe zum Kanzleramt, international an Ansehen verloren – ohne dass sich Bundespolitiker nennenswert für seine Probleme interessieren.

Auslöser der Kontroverse war der geplante Auftritt von Chefket, einem schwäbischen Rapper und vom Goethe-Institut zum "Rap-Botschafter" ernannten Künstler. Seine Entscheidung, bei dem Konzert ein T-Shirt mit der Aufschrift "Palästina" zu tragen – verziert mit arabischer Kalligrafie und einer Umrisskarte Israels – sorgte für scharfe Kritik. Kultusminister Wolfram Weimer griff ein und setzte das HKW unter Druck, den Auftritt abzusagen. Bereits im September 2025 hatte Weimer Chefket wegen angeblich antisemitischer Äußerungen bei einem Auftritt in der Show des Satirikers Jan Böhmermann gerügt.

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Die Folgen waren verheerend: Sämtliche anderen deutschen Künstler, die im HKW auftreten sollten, sagten aus Solidarität mit Chefket ihre Auftritte ab. Die Einrichtung, die ohnehin schon um bundesweite Anerkennung kämpft, erlitt einen weiteren Reputationsverlust auf internationaler Ebene. Trotz seiner Rolle als Bühne für globale Künstler wie den haitianischen Saxophonisten Jowee Omicil steht das HKW nun vor existenziellen Fragen zur Zukunft.

Kritik richtete sich auch gegen die Führung des HKW. Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, seit 2023 Intendant und erster Mensch of Color an der Spitze einer großen deutschen Kultureinrichtung, sieht sich mit Widerstand gegen sein "postkoloniales" Programm konfrontiert – insbesondere aus Teilen des etablierten Kulturbetriebs. Selbst Versuche, die Sichtbarkeit zu erhöhen, etwa durch Böhmermanns geplante Ausstellung "Die Möglichkeit des Unvernunfts", konnten die negative Wahrnehmung nicht wenden.

Das HKW bleibt damit Mittelpunkt einer Debatte über Zensur, politische Einmischung und die Rolle von Kultureinrichtungen bei der Auseinandersetzung mit globalen Konflikten. Ohne deutsche Künstler, die dort auftreten wollen, und ohne bundespolitische Unterstützung hängt seine Zukunft davon ab, ob es gelingt, diese Spannungen zu überwinden. Die Affäre wirft zudem grundsätzliche Fragen auf: Wie kann Deutschland künstlerische Freiheit mit politischen Sensibilitäten in Einklang bringen?

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