Mercedes-Ingenieurin zeigt Recycling-Herausforderungen bei Elektroautos und neue Lösungsansätze auf
Selma SchmiedtMercedes-Ingenieurin zeigt Recycling-Herausforderungen bei Elektroautos und neue Lösungsansätze auf
Die Wiederverwertung von Komponenten aus Elektrofahrzeugen stellt die Automobilindustrie vor Herausforderungen, bietet aber auch Chancen. Die Mercedes-Benz-Ingenieurin Jula Lanzer hat zentrale Probleme bei der Rückgewinnung von Magneten und dem Batterierecycling aufgezeigt, während das Unternehmen selbst mit der Entwicklung von Festkörperbatterien voranschreitet. Neue EU-Vorschriften und Forschungsprojekte prägen zudem die Zukunft nachhaltiger Elektroantriebe.
Jula Lanzer, seit 2022 Entwicklungsingenieurin bei Mercedes-Benz, bringt ihr Fachwissen in Materialwissenschaften in die Elektrofahrzeug-Initiativen des Unternehmens ein. Vor ihrem Wechsel zu Mercedes leitete sie bei Daimler die Entwicklung von Ventiltriebs-Komponenten und studierte Materialographie und Neue Werkstoffe an der Hochschule Aalen. Aktuell konzentriert sie sich auf Magnetwerkstoffe und Recyclingstrategien für Elektromotoren.
Ein großes Hindernis ist das Fehlen standardisierter Recyclingverfahren. Da die Konstruktion von Traktionsmaschinen je nach Hersteller variiert, gestaltet sich die Erarbeitung einheitlicher Demontagerichtlinien schwierig. Zudem gibt es keine klaren Daten darüber, wie viele europäische Anlagen Permanentmagnete aus E-Motoren zurückgewinnen – und welche Unternehmen solche Einrichtungen betreiben.
Trotz dieser Herausforderungen gibt es Fortschritte: Der Einsatz von 50 Prozent recycelten Magneten in Elektromotoren kann die CO₂-Emissionen im Vergleich zur Neuproduktion um 20 bis 40 Prozent senken. Auch die EU-Verordnung zu kritischen Rohstoffen (Critical Raw Materials Act, CRMA) wird eine Rolle spielen – ab 2032 fördern Quotenregelungen einen höheren Anteil an Sekundärrohstoffen in Fahrzeugantriebsmagneten.
Mercedes-Benz treibt unterdessen die Batterietechnologie voran: Erst kürzlich präsentierte das Unternehmen in einem modifizierten EQS eine Festkörperbatterie, die eine Reichweite von 1.205 Kilometern von Stuttgart nach Malmö ohne Zwischenladung ermöglichte. Neben Innovationen betreibt die Marke in Kuppenheim Europas erste Batterierecycling-Fabrik und forscht in Kooperationen – etwa in einem Projekt der Bergischen Universität Wuppertal, das mithilfe von Computertomographie die Effizienz des Batterierecyclings steigern soll.
Der Wandel hin zu einer nachhaltigen E-Fahrzeugproduktion hängt von besseren Recyclingmethoden und Materialeffizienz ab. Mercedes-Benz investiert weiterhin in Batterietechnik und Rückgewinnungsprozesse, während kommende EU-Regularien die Branche zu einem höheren Einsatz recycelter Komponenten drängen. Lanzers Arbeit unterstreicht, wie wichtig abgestimmte Anstrengungen sind, um die aktuellen technischen und logistischen Hürden zu überwinden.






