31 January 2026, 14:29

Missbrauchsskandal erschüttert den deutschen Turnsport über Jahrzehnte

Ein Schwarz-Weiß-Foto einer Frau in einem Einteiler, die auf dem Cover eines Magazins Gymnastik betreibt, mit ausgestreckten Armen und gebeugten Beinen in einem Bogen, und der Magazintitel in fetten weißen Buchstaben oben.

Missbrauchsskandal erschüttert den deutschen Turnsport über Jahrzehnte

Umfassende Ermittlungen im deutschen Turnsport decken Vorwürfe jahrelangen Missbrauchs auf. Eine groß angelegte Untersuchung im deutschen Turnsport hat Enthüllungen über jahrelangen Missbrauch zutage gefördert, der sich über Jahrzehnte erstreckte. Staatsanwälte prüfen derzeit Vorwürfe psychischer und körperlicher Misshandlung, darunter Nötigung und vorsätzliche Schädigung, in Elite-Trainingszentren. Der Skandal hat Forderungen nach Einfrierung von Fördergeldern ausgelöst und wirft Fragen zur Aufsicht im deutschen Turnsport auf. Die Ermittlungen begannen, nachdem Michelle Timm, eine ehemalige Turnerin und Trainerin, im Oktober 2024 über "katastrophale" Zustände im Stuttgarter Trainingszentrum berichtete. Ihr Hinweis folgte auf frühere Warnungen, darunter ein 2023 verfasster Brief der Turnerin Tabea Alt, in dem sie Missbrauch schilderte – dieser wurde jedoch nie an den neu berufenen Cheftrainer Gerben Wiersma weitergeleitet. Wiersma gab später an, von den Vorwürfen nichts gewusst zu haben, als er Giacomo Camiciotti für eine olympische Trainingsposition empfahl. Staatsanwälte untersuchen nun mehr als 25 Fälle, die zwei wieder eingesetzte Trainer – Marie-Luise Mai und Giacomo Camiciotti – sowie einen dritten, namentlich nicht genannten Trainer des Stuttgarter Kunstturn-Forums betreffen. Alle drei waren zunächst entlassen worden, setzten sich jedoch in Arbeitsgerichtsprozessen durch. Die Vorwürfe umfassen unter anderem Verdacht auf vorsätzliche Körperverletzung, Nötigung und unterlassene Maßnahmen gegen Missbrauch. Der Deutsche Turner-Bund (DTB) leitete eine externe Überprüfung ein und richtete einen Expertenrat ein, doch Teile der internen Untersuchung wurden auf Anfrage der Staatsanwaltschaft ausgesetzt. Derzeit führt nur eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Klaus Pflieger Befragungen betroffener Athlet:innen durch. Unterdessen wurde der Landessportverband Baden-Württemberg aufgefordert, die Förderung für Trainer:innen im Zusammenhang mit dem Schwäbischen Turnerbund bis zum Abschluss der Ermittlungen auszusetzen. Zwei hochrangige Funktionäre – Thomas Gutekunst, Vorsitzender des olympischen Spitzensports, und Alfons Hölzl, ehrenamtlicher DTB-Präsident – sind in den Fall verwickelt, bestreiten jedoch jegliches Fehlverhalten. Seit Bekanntwerden der Vorwürfe gab es keine dokumentierten Änderungen bei staatlichen Fördermitteln oder Aufsichtsstrukturen. Die Ermittlungen weiten sich weiter aus, wobei sich die Staatsanwaltschaft auf systematischen Missbrauch seit den frühen 2000er-Jahren konzentriert. Förderentscheidungen stehen weiterhin auf dem Prüfstand, während die ausgesetzte interne DTB-Untersuchung die Arbeitsgruppe als einzige Instanz zurücklässt, die Aussagen sammelt. Das Ergebnis könnte die Governance und Rechenschaftspflicht im deutschen Turnsport grundlegend verändern.

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