Olaf Scholz verpasst Weiberfastnacht wegen EU-Strategieklausur in Brüssel
Gretel BirnbaumOlaf Scholz verpasst Weiberfastnacht wegen EU-Strategieklausur in Brüssel
Bundeskanzler Olaf Scholz wird in diesem Jahr die Feierlichkeiten zu Weiberfastnacht verpassen – Grund ist ein wichtiger politischer Termin. Der Brauch, tief verwurzelt in Regionen wie dem Rheinland und dem Sauerland, ist ein Tag, an dem Frauen scherzhaft das Kommando übernehmen, indem sie Männern die Krawatten abschneiden und Fremde küssen. Für Scholz kollidiert der Termin jedoch mit einer nicht öffentlichen Strategieklausur in der Nähe von Brüssel zur Zukunft der europäischen Industrie.
Weiberfastnacht ist seit dem 19. Jahrhundert ein fester Bestandteil des deutschen Karnevals. Die Tradition geht auf mittelalterliche Feste zurück, die mit dem römischen Lupercalia-Fest und christlichen Vorfastenbräuchen verbunden waren. Ab den 1820er-Jahren erhielt sie in Städten wie Köln und Mainz eine festere Struktur. Frauenverbände führten Umzüge an, trugen aufwendige Kostüme und kehrten die Geschlechterrollen um – ein Brauch, der nach dem Zweiten Weltkrieg noch mehr Aufschwung erlebte.
Der Kanzler selbst hat eine persönliche Verbindung zu den Feierlichkeiten. Geboren am 11. November, dem inoffiziellen Startdatum der Karnevalssaison, hat er zudem rheinische Wurzeln: Seine Großmutter stammte aus Andernach. Auch seine Herkunft aus dem Sauerland, wo sowohl Karneval als auch Schützenfeste gefeiert werden, stärkt seinen Bezug zur Tradition. Dennoch wird ihn sein Terminkalender diesmal von den Festlichkeiten fernhalten.
Später am Tag plant Scholz, Teile des Bundeskabinetts zu treffen. Er hofft, etwas von der lebendigen Karnevalsstimmung in die Gespräche einzubringen – auch wenn er nicht selbst mitfeiern kann. Im Mittelpunkt des Brüsseler Treffens steht die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie, was wenig Raum für Festlichkeiten lässt.
Scholzs Abwesenheit bei Weiberfastnacht unterstreicht den Konflikt zwischen Tradition und politischer Pflicht. Sein Geburtstag am 11. November und die familiären Karnevalsbezüge stehen im Kontrast zu seinen aktuellen Verantwortungen. Unterdessen geht die jahrhundertealte Feier im Rheinland und Sauerland weiter – getragen von Frauenverbänden und bunten Umzügen.
