Palmer und Chrupalla liefern sich hitziges TV-Duell über AfD-Zukunft
Oswin BolanderPalmer und Chrupalla liefern sich hitziges TV-Duell über AfD-Zukunft
Fernsehduell mit AfD-Chef: Palmer liefert sich Wortgefecht mit Tino Chrupalla
Erneut trifft Tübings Oberbürgermeister Boris Palmer auf einen hochrangigen AfD-Vertreter – diesmal in einem TV-Format, moderiert von der ehemaligen "Tagesschau"-Sprecherin Pinar Atalay.
Ein hitziges Fernsehduell entbrannte bei ntv zwischen Tübings Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) und dem AfD-Co-Vorsitzenden Tino Chrupalla. Im Mittelpunkt der von Pinar Atalay moderierten Diskussion stand die Frage, ob etablierte Parteien mit der rechtspopulistischen AfD zusammenarbeiten sollten. Angesichts aktueller Umfragewerte von 25 bis 27 Prozent für die AfD wächst die Sorge in der politischen Führung über deren Einfluss.
Chrupalla argumentierte, keine große politische Kraft könne es sich leisten, die AfD zu ignorieren – angesichts ihrer starken Wählerresonanz. Er bestand darauf, dass die Partei aufgrund ihrer Unterstützung nicht von künftigen Verhandlungen ausgeschlossen werden dürfe.
Palmer hingegen warnte davor, der AfD zu viel Macht einzuräumen. Zwar räumte er ein, dass die Partei in ostdeutschen Bundesländern im Krisenfall an Regierungsverantwortung beteiligt sein könnte, betonte jedoch klare Grenzen. Seine größte Sorge gelte der Verhinderung einer absoluten AfD-Mehrheit bei den anstehenden Landtagswahlen.
Die Debatte eskalierte, als Palmer der AfD wirtschaftliche Inkompetenz vorwarf. Ihre unternehmensfeindliche Politik und die Forderung nach einem deutschen EU-Austritt („Dexit“) würden, so Palmer, einen wirtschaftlichen Kollaps auslösen. Scharf kritisierte er zudem eine Rede einer jungen AfD-Funktionärin beim Parteitag in Gießen, in der diese die "Remigration" von Millionen Menschen aus Deutschland gefordert hatte. Solche Äußerungen bezeichnete Palmer als "ziefst beunruhigend".
Unterdessen wurde auf dem AfD-Parteitag in Gießen am vergangenen Wochenende offiziell der neue Jugendverband Generation Deutschland gegründet. Zum ersten Bundesvorsitzenden wurde am 29. November 2025 der AfD-Politiker Jean-Pascal Hohm gewählt. Palmer argumentierte, eine offene Auseinandersetzung mit der AfD werde deren wahre Positionen für die Wähler sichtbar machen.
Die Kontroverse unterstrich die tiefen Gräben über die Rolle der AfD in der deutschen Politik. Während die Partei weiter an Zuspruch gewinnt, stehen etablierte Politiker vor der Herausforderung, zwischen Dialogbereitschaft und klarer Abgrenzung abzuwägen. Die Ergebnisse der anstehenden Wahlen in den ostdeutschen Bundesländern könnten entscheiden, wie viel Gestaltungsmacht die AfD letztlich erhält.
