27 March 2026, 10:13

Ruhrgebiet zwischen Kunstaufbruch und persönlichen Wendepunkten

Ein ernsthaft aussehender Mann mit langen Haaren und eine sanft aussehende Frau mit einem Kind, beide schauen direkt in die Kamera.

Ruhrgebiet zwischen Kunstaufbruch und persönlichen Wendepunkten

Eine neue Ausstellung und ein Buch mit dem Titel DortmUnderground 1978–1998 werfen einen lebendigen Blick zurück auf zwei turbulente Jahrzehnte in Dortmund. Gleichzeitig prägen neue Führungspersönlichkeiten und kulturelle Projekte in dieser Saison die Kunstszene der Region.

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In Bochum hat Thorsten Bihegue die Leitung des Jungen Schauspielhauses übernommen und startet damit in seine erste Spielzeit in dieser Position. An anderen Orten bringen Fotografie, Theater und basisdemokratische Initiativen Gemeinschaften auf unerwartete Weise zusammen.

Bihegue trat seine neue Stelle am Jungen Schauspielhaus in Bochum nach dem Abschied von Cathrin Rose an. Sein Amtsantritt fällt mit dem aktuellen Programm des Hauses zusammen, doch Details zu seinen ersten Produktionen bleiben vorerst unter Verschluss.

Im gesamten Ruhrgebiet kehrte Larissa Sirah Herlen – bekannt unter ihrem Künstlernamen Lary – für einen Auftritt in ihre Heimatstadt Gelsenkirchen zurück. Sie übernahm die Hauptrolle im Eröffnungsstück der diesjährigen Ruhrtriennale, einem Festival, das Theater, Musik und bildende Kunst vereint.

Der Fotograf Valery Poshtarov bereist seit Jahren Europa für sein Projekt fathers-and-sons. Seine Bilder zeigen Väter und erwachsene Söhne, die Händchen halten, und setzen sich mit Themen wie Intimität, Generationenkonflikten und sich wandelnden Männlichkeitsbildern auseinander. Die Serie spiegelt auch die kulturelle Vielfalt Europas wider, wobei die öffentliche Resonanz auf die Arbeiten bisher kaum dokumentiert ist.

Auf kleinerer Ebene fördert Thomas Koch seit sechs Jahren den Dialog in der Region. Seine Veranstaltungsreihe bringt Fremde zusammen, die in einem strukturierten Rahmen zuhören, sich austauschen und ins Gespräch kommen. Die Treffen ziehen weiterhin Teilnehmende an, die nach Verbindung suchen.

In Castrop-Rauxel hält ein Hobbyfußballteam seine wöchentlichen Spiele seit über zwei Jahrzehnten am Leben. Zu den Spielern gehört Micky Beisenherz, dessen technisches Können selbst in einer lockeren Liga auffällt. Die Langlebigkeit der Gruppe steht für die enge Sportkultur der Region.

Auch ein stabiler Wohnraum markiert für eine lokale Bewohnerin einen Wendepunkt. Nach fast vier Jahren Obdachlosigkeit – auf der Straße und in Notunterkünften – ist Birgit nun in eine eigene Wohnung gezogen. Der Umzug folgt auf eine Phase der Unsicherheit und der Abhängigkeit von vorübergehenden Hilfsangeboten.

Die Ruhrregion erlebt derzeit eine Mischung aus künstlerischem Aufbruch und persönlichen Meilensteinen. Von Bihegues Führung in Bochum bis zu Poshtarovs fotografischer Reise durch Europa laden kreative Projekte dazu ein, über Identität und Gemeinschaft nachzudenken. Gleichzeitig stärken langjährige Traditionen wie das Fußballteam in Castrop-Rauxel und Initiativen wie Kochs Dialogveranstaltungen die lokalen Bindungen. Für Birgit bedeutet der Einzug in eine feste Wohnung einen hart erkämpften Neuanfang nach Jahren der Instabilität.

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