Süddeutschland könnte Strombedarf flexibler steuern – Studie zeigt Lösungen auf
Selma SchmiedtSüddeutschland könnte Strombedarf flexibler steuern – Studie zeigt Lösungen auf
Neue Studie von Agora Energiewende: Wie Süddeutschland seinen Strombedarf flexibler gestalten kann
Eine aktuelle Analyse der Denkfabrik Agora Energiewende zeigt auf, wie Süddeutschland seinen Stromverbrauch besser steuern könnte, um die Netzbelastung zu verringern. Die nun auch auf Englisch verfügbare Studie schlägt vor, dass eine gezielte Verschiebung des industriellen und privaten Stromverbrauchs die Engpässe im Netz entschärfen könnte. Dies gewinnt besonders an Bedeutung, da die Region mit den Folgen des Atomausstiegs und einer ungleichmäßigen Verteilung der erneuerbaren Energien konfrontiert ist.
Süddeutschland verbraucht fast 30 Prozent des deutschen Stroms, wobei Baden-Württemberg und Bayern die größten Nachfrager sind. Die Industrie macht in diesen Bundesländern 55 bis 60 Prozent des Verbrauchs aus – ein zentraler Ansatzpunkt für mehr Flexibilität. Laut der Studie ließen sich kurzfristig über 1 Gigawatt (GW) industrielle Last für 30 Minuten bis zwei Stunden drosseln, sofern Unternehmen rechtzeitig informiert werden.
Auch Privathaushalte könnten durch angepasste Stromnutzung einen Beitrag leisten. Allein die Optimierung von Kühlzyklen in Kühlschränken könnte den privaten Bedarf um mehr als 1,3 GW verschieben. Experten betonen, dass solche Maßnahmen helfen würden, das Angebot besser zu steuern – besonders in Süddeutschland, wo der Atomausstieg die Stromversorgung vor Herausforderungen stellt und gleichzeitig ein Großteil des Verbrauchs anfällt.
Nord-Süd-Gefälle bleibt zentrales Problem Während im Norden Deutschlands der Großteil der Windenergie erzeugt wird, muss der Strom über weite Strecken in den Süden transportiert werden. Agora Energiewende argumentiert, dass ein dezentrales Lastmanagement teure Netzausbauten reduzieren könnte, ohne zusätzliche Kosten zu verursachen. Unternehmen könnten mitmachen, wenn sie durch eine flexible Stromnutzung ihre Energiekosten um mehr als fünf Prozent senken können.
Die Studie bewertet die Nachfrageflexibilität als praktikable Lösung für die Energiewende in Süddeutschland. Durch eine intelligente Anpassung des Verbrauchs in Industrie und Haushalten ließe sich der Anteil erneuerbarer Energien besser integrieren – und gleichzeitig der Wegfall der Atomkraft ausgleichen. Das Ziel: ein stabiles Stromnetz ohne höhere Belastungen für Verbraucher oder Wirtschaft.






