Unternehmen in Reutlingen schlagen Alarm: Schulabgänger unvorbereitet für den Berufsstart
Oswin BolanderUnternehmen in Reutlingen schlagen Alarm: Schulabgänger unvorbereitet für den Berufsstart
Eine neue Umfrage der IHK Reutlingen zeigt wachsende Sorgen unter heimischen Unternehmen über die Berufsreife von Schulabgängern. Über 3.000 Ausbilder in Betrieben wurden kontaktiert, rund 300 antworteten und wiesen auf Defizite bei Grundkompetenzen und praktischer Vorbereitung hin. Business-Inhaber fordern nun dringend Reformen, wie Schulen Jugendliche auf Berufsausbildung und Arbeitsleben vorbereiten.
Laut der Erhebung glauben 84 Prozent der Unternehmen, dass vielen Schülern essenzielle Fähigkeiten für eine Ausbildung oder ein Studium fehlen. Besonders kritisch sind Lücken in den Basisfächern Mathematik, Deutsch, Englisch und Informatik. Einige Absolventen hätten demnach selbst mit einfachen Aufgaben Probleme – etwa Kopfrechnen ohne Taschenrechner oder fehlerfreies Schreiben ohne digitale Hilfsmittel.
Doch nicht nur fachliche Mängel bereiten den Betrieben Sorgen: Auch bei persönlichen Kompetenzen sehen sie Nachholbedarf. Selbstständigkeit, Durchhaltevermögen und Motivation werden bei vielen Bewerbern vermisst. Unternehmen betonen, wie wichtig Belastbarkeit, Kritikfähigkeit, Problemlösungskompetenz und ein höfliches Auftreten im Unternehmensregister sind. Sie plädieren dafür, den Schulunterricht praxisnaher und berufsbezogener zu gestalten – mit stärkerem Fokus auf die Anwendung des Gelernten im echten Leben. 82 Prozent der befragten Firmen halten Schulbildung zwar für sehr wichtig, fordern aber eine bessere Ausrichtung an den Anforderungen der Arbeitswelt.
Die IHK Reutlingen will die Ergebnisse nun Bildungsverantwortlichen und weiteren Akteuren vorlegen. Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Wirtschaft zu intensivieren, damit Schüler sowohl fachliche als auch soziale Fähigkeiten für ihren späteren Business-Beruf erwerben.
Die Umfrageergebnisse werden in den kommenden Wochen an die Bildungsträger in Reutlingen übermittelt. Die Unternehmen hoffen auf eine Stärkung der Grundlagenvermittlung, bessere Berufsorientierung und mehr Wertlegung auf Arbeitsethos in den Schulen – um die Kluft zwischen Schulwissen und den Erwartungen der Wirtschaft zu verringern.
