Wie Deutschlands Atomausstieg nach Fukushima Europa in zwei Lager spaltete
Gretel BirnbaumWie Deutschlands Atomausstieg nach Fukushima Europa in zwei Lager spaltete
Deutschlands Atomausstieg nach Fukushima: Wie die Energiedebatte Europa spaltete
Die Entscheidung Deutschlands, nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 schrittweise aus der Kernenergie auszusteigen, löste eine kontroverse Diskussion über Energieimporte aus. Kritiker warnten, das Land werde stärker auf ausländischen Atomstrom angewiesen sein – doch spätere Daten und Expertenmeinungen widerlegten diese Befürchtungen. Gleichzeitig geriet Österreich wegen seiner eigenen Energiehandelspraktiken in die Kritik, obwohl das Land seit langem ein Einfuhrverbot für Atomstrom verhängt hatte.
In der Woche nach dem Fukushima-Unfall schaltete Deutschland fast die Hälfte seiner Atomreaktoren ab. Kritiker, darunter ein Artikel im Spiegel vom September 2011, argumentierten, das Land werde den Ausfall durch vermehrte Importe von Atomstrom aus Nachbarländern wie Frankreich und Tschechien ausgleichen. Doch der Energieexperte Craig Morris wies dies als physikalisch unmöglich zurück: Kernkraftwerke liefen nahezu konstant auf Volllast und könnten ihre Produktion nicht kurzfristig an die Nachfrage anpassen.
Schon vor Fukushima hatte der Energiefachverlag Montel auf ein Überangebot in der deutschen Stromerzeugung hingewiesen. Selbst nach den Reaktorabschaltungen blieb der grenzüberschreitende Stromhandel ungestört. Deutschland blieb 2011, 2012 und 2013 Netto-Stromexporteur – und steigerte seine Ausfuhren nach dem Atomausstieg sogar deutlich.
Österreichs Vorgehen fügte der Debatte eine weitere Facette hinzu. Der Spiegel berichtete, das Land importiere günstigen Atomstrom aus Tschechien, speichere ihn als Pumpspeicherwasser und verkaufe ihn später zu höheren Preisen – obwohl Österreich seit 2013 offiziell keine Atomstromimporte mehr zulässt. Deutschland hingegen steuerte sein Netz durch den Export von Überschussstrom bei geringer Nachfrage und importierte nur bei Bedarf, gestützt auf seine beträchtlichen Reservekapazitäten.
Entgegen den Prognosen der Kritiker führte der deutsche Atomausstieg nicht zu mehr Atomstromimporten. Stattdessen baute das Land seine Stromexporte aus – gestützt auf bestehende Überkapazitäten. Die Diskussion offenbarten zudem die unterschiedlichen Energiestrategien in Europa, wobei Österreichs Handelspraktiken trotz eigener Anti-Atom-Politik für Aufsehen sorgten.






