Wie Rottenburgs Saublodere den Karneval mit ohrenbetäubendem Knallen füllen
Oswin BolanderStinkend und laut - der seltsame Brauch mit Schweinsblasen - Wie Rottenburgs Saublodere den Karneval mit ohrenbetäubendem Knallen füllen
Jedes Jahr zur Karnevalszeit in Rottenburg, Baden-Württemberg, füllt eine skurrile Tradition die Straßen mit lautem Knallen. Einheimische schwingen aufgeblasene Schweineblasen, die als Saublodere bekannt sind, um während der Umzüge überraschende Geräusche zu erzeugen. Diese Lärmmacher, die an Stiergenitalien oder Kuhschwänze gebunden werden, tragen eine symbolische Bedeutung – und ein kurzes Leben.
Der Prozess beginnt damit, dass Metzger alljährlich Schweineblasen an Karnevalsvereine liefern. Nur die robustesten Exemplare werden ausgewählt, anschließend entleert, in Lake eingelegt, gewaschen und einer Prüfung unterzogen. Sobald sie fertig sind, werden sie mit Druckluft aufgeblasen und an einen Hagenschwanz befestigt – ein Stierpenis oder ein Kuhschwanz, ebenfalls vom Metzger bereitgestellt.
Wenn die Saublodere auf den Boden geschlagen werden, erzeugen sie ein scharfes, ohrenbetäubendes Knallen. Dieses Geräusch, das Passanten erschrecken soll, ist zu einem Markenzeichen der schwäbisch-alemannischen Faschingsfeiern geworden. Die Blase selbst steht für Eitelkeit und Maßlosigkeit und passt damit perfekt zum festlichen Geist des Spottes und der Ausgelassenheit.
Trotz ihrer Beliebtheit nutzen sich die Saublodere schnell ab und halten nur wenige Umzüge durch, bevor sie ersetzt werden müssen. Manche Vereine steigen inzwischen auf Kuhblasen um, angezogen von deren größerer Form und höherer Haltbarkeit. Doch wie viele Gruppen diesen Wechsel bereits vollzogen haben, bleibt unklar – die Praxis variiert je nach Stadt, etwa in Stuttgart, Ulm oder auf der Schwäbischen Alb.
Die Tradition der Saublodere bleibt ein lebendiger Bestandteil des Karnevals im Südwesten Deutschlands. Die Vereine verlassen sich weiterhin auf die Metzgereien, die jedes Jahr frischen Nachschub liefern, damit die lauten Knaller durch die Straßen hallen. Ob mit Schweine- oder Kuhblasen – der Brauch hält sich als prägendes Element der lokalen Feiern.
