Winfried Kretschmanns Rücktritt markiert das Ende einer grünen Ära in Baden-Württemberg
Gretel BirnbaumKretschmann: "Ich bin froh, dass ich aufhöre" - Winfried Kretschmanns Rücktritt markiert das Ende einer grünen Ära in Baden-Württemberg
Winfried Kretschmann, Baden-Württembergs dienstältester Ministerpräsident, wird nach mehr als einem Jahrzehnt im Amt zurücktreten. Der 77-jährige Grüne-Politiker hat offen eingeräumt, dass die Belastungen des Amtes an ihm gezehrt haben, und zeigt sich erleichtert, dass seine Amtszeit nun zu Ende geht. Bei der für den 8. März 2026 geplanten Landtagswahl wird er nicht mehr antreten.
Kretschmann übernahm das Amt erstmals 2011 und führte eine Koalition aus Grünen und SPD an. 2016 wurde seine Regierung mit einer knappen Mehrheit unter derselben Konstellation wiedergewählt. Bis 2021 hatten sich die Grünen zur stärksten Kraft entwickelt und 32,6 Prozent der Stimmen geholt, doch der Versuch, eine breitere 'Ampelkoalition' mit SPD und FDP zu bilden, scheiterte. Stattdessen entstand eine grün-rote Minderheitsregierung, die auf die Duldung der CDU angewiesen war.
Während seiner Amtszeit sah sich Kretschmann ständiger Opposition von CDU (24,1 Prozent 2021) und AfD (15,1 Prozent) ausgesetzt. Dennoch blieb seine Koalition stabil, ohne dass es bis Anfang 2026 zu größeren politischen Verschiebungen kam. Doch die Anforderungen des Amtes lasteten schwer auf ihm. Er beschrieb die Position als Belastung und gab zu, dass selbst kleine Frustrationen ihn nachts wachhielten. Die Verantwortung, Veränderungen voranzutreiben oder Probleme abzuwenden, hat ihm sichtbar zugesetzt.
Nach 15 Jahren an der Spitze hat Kretschmann nun entschieden, nicht erneut zu kandidieren. Sein Rückzug markiert das Ende einer Ära für die politische Landschaft Baden-Württembergs.
Kretschmanns Abgang hinterlässt eine spürbare Lücke in der Führung des Landes. Da er 2026 nicht mehr antritt, müssen sich die Grünen nun auf einen Übergang vorbereiten. Die Partei steht vor der Aufgabe, eine neue Kandidatin oder einen neuen Kandidaten zu finden, die oder der ihren Einfluss in einem sich wandelnden politischen Umfeld wahren kann.
