Baden-Württemberg will Spritpreise mit Österreich-Modell zügeln – doch hilft das wirklich?
Selma SchmiedtÖsterreichs Beispiel? Was steckt hinter dem Spritpreisvorschlag - Baden-Württemberg will Spritpreise mit Österreich-Modell zügeln – doch hilft das wirklich?
Spritpreise in Deutschland schwanken im Schnitt mehr als 20 Mal am Tag – Baden-Württemberg will strenge Regeln nach österreichischem Vorbild
Die Spritpreise in Deutschland ändern sich im Durchschnitt mehr als 20 Mal pro Tag, was viele Autofahrer verärgert. Nun setzt sich das Bundesland Baden-Württemberg für strengere Vorschriften ein – inspiriert vom österreichischen System, wo Tankstellen die Preise nur einmal täglich erhöhen dürfen. Behörden argumentieren, dass eine solche Regelung Verbraucher davor schützen würde, durch ständige Preisschwankungen in die Irre geführt zu werden.
In Österreich dürfen Tankstellen die Spritpreise nur einmal am Tag – mittags – anheben. Senkungen sind hingegen jederzeit möglich. Diese Regel hat sich bewährt und das Vertrauen der Autofahrer gestärkt, die wissen, wann sie mit den günstigsten nachrichten aktuell rechnen können.
Baden-Württembergs Verbraucherminister Peter Hauk (CDU) befürwortet die Übernahme eines ähnlichen Modells. Er kritisiert, dass die häufigen Preisänderungen in Deutschland Verbraucher täuschten, da die Kosten unberechenbar würden. Daten des Bundeskartellamts bestätigen dies: In der ersten Jahreshälfte 2026 änderten sich die Preise an deutschen Tankstellen im Schnitt 22 Mal pro Tag.
Der Vorschlag wird nun dem Bundesrat zur Prüfung vorgelegt. Eine endgültige Entscheidung steht jedoch nicht unmittelbar bevor, da die Angelegenheit zunächst in die Ausschüsse zur weiteren Beratung geht. Kritiker, darunter der ADAC, warnen, dass eine Begrenzung der Preisanpassungen die Gesamtkosten in die Höhe treiben könnte. Sie argumentieren, dass Unternehmen höhere Grundpreise festsetzen könnten, wenn sie diese nicht flexibel anpassen dürfen.
Die Spritpreise in Österreich liegen zwar unter denen in Deutschland, doch liegt dies vor allem an den niedrigeren Steuern – nicht an der täglichen Preisobergrenze. Zwischen 2016 und Januar 2026 lag der durchschnittliche Benzinpreis in Österreich bei 1,36 Euro pro Liter, mit einem Höchststand von 2,10 Euro im Juli 2022 und einem Tiefstwert von 0,99 Euro im Mai 2020. Ende Januar 2026 betrug der Preis 1,48 Euro – leicht höher als im Vormonat, aber 5,7 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor.
Der Bundesrat wird nun den Vorschlag Baden-Württembergs prüfen, die täglichen Preiserhöhungen für Sprit zu begrenzen. Sollte die Regelung beschlossen werden, könnte sie die Preisgestaltung an deutschen Tankstellen grundlegend verändern. Bis dahin müssen sich Autofahrer weiter mit den ständigen Preisschwankungen arrangieren – während sie auf eine Entscheidung warten.
