13 March 2026, 20:19

Boris Palmer: Genie oder Grenzgänger? Die Grünen vor einer Zerreißprobe

Ein grünes Plakat mit weißer Schrift, die den Text 'Elections Municipales Quartier de Grenelle F. Pierron-Tassin Candidat' trägt, vor einem weißen Hintergrund.

Boris Palmer: Genie oder Grenzgänger? Die Grünen vor einer Zerreißprobe

Boris Palmer, der umstrittene Oberbürgermeister Tübingen, ist zu einer der polarisierendsten Figuren der deutschen Politik geworden. Während die einen seine sozial-ökologischen Reformen loben, verweisen andere auf seine wiederholte Verwendung rassistischer Sprache und provokanter Äußerungen. Nun, da die Grünen in Baden-Württemberg über eine mögliche Regierungsbildung nachdenken, entbrennt eine hitzige Debatte darüber, ob Palmer ein Ministeramt erhalten sollte.

Sein Wirken ist geprägt von politischen Erfolgen ebenso wie von Skandalen – die politische Führung ist gespalten, was seine künftige Rolle angeht.

Palmer machte erstmals als Tübinger Oberbürgermeister von sich reden, wo er wirtschaftliches Wachstum mit drastischen CO₂-Reduktionen verband. Sein Ansatz brachte ihm den Ruf eines "führenden sozial-ökologischen Pragmatikers Deutschlands" ein, wie der Journalist Peter Unfried schreibt. Doch seine Karriere ist von Kontroversen überschattet.

2020 nutzte Palmer auf einer Migrationskonferenz das N-Wort. Später behauptete er auf Facebook, der Fußballer Dennis Aogo habe einer Frau seinen "N*-Schwanz" angeboten. Während der Corona-Pandemie unterstellte er, Deutschland verschwende Ressourcen an Menschen, die "ohnehin in sechs Monaten tot" seien. Zudem verglich er die Diffamierung als "Nazi" mit der Zwangsmarkierung von Juden durch den Judenstern im Nationalsozialismus.

Die Grünen reagierten mit dem Entzug der Unterstützung und leiteten ein Parteiausschlussverfahren ein, woraufhin Palmer die Partei verließ. Dennoch gewann er weiterhin Oberbürgermeisterwahlen – gegen Kandidaten mehrerer Parteien – und bewies damit, dass sein Rückhalt über Parteigrenzen hinausreicht.

Nach dem knappen Wahlsieg der Grünen bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg im März 2026 dreht sich die Diskussion nun um die Regierungsbildung. Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir galt zwar als Favorit für das Amt des Ministerpräsidenten, lehnte aber Vorschläge für eine rotierende Amtszeit mit der CDU ab. Einige, wie Peter Unfried, argumentieren, Palmers fachliche Kompetenz rechtfertige seine Einbindung in die Regierung. Andere, darunter Alice von Lenthe, bestehen darauf, dass seine rassistischen Äußerungen und die Verharmlosung des Holocaust ihn für jedes Ministeramt disqualifizieren.

Die Debatte über Palmers mögliche Rolle in der baden-württembergischen Landesregierung bleibt ungelöst. Seine politischen Erfolge als Oberbürgermeister stehen in krassem Gegensatz zu seiner langen Geschichte provokativer und rassistischer Aussagen. Die Grünen müssen nun abwägen, ob sein Sachverstand die Risiken aufwiegt, eine Figur mit solch brisantem Ruf in ein Regierungsamt zu berufen.

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