16 March 2026, 06:13

Ira Peter gibt den Russlanddeutschen in Kasachstan eine literarische Stimme

Ein Stapel bunter Gummibärchen in rot, gelb, grün und blau, übereinandergestapelt auf einem weißen Hintergrund.

Ira Peter gibt den Russlanddeutschen in Kasachstan eine literarische Stimme

Ira Peter, eine russlanddeutsche Autorin und Journalistin, hat kürzlich an der Deutschen Botschaft in Almaty einen Workshop zum autobiografischen Schreiben geleitet. Die Veranstaltung diente zugleich als Gedenktag für die unter Stalins Herrschaft nach Kasachstan deportierten Russlanddeutschen. Peters eigene Lebensgeschichte, geboren 1983 in Zelinograd, spiegelt die Kämpfe und die Widerstandsfähigkeit vieler aus ihrer Gemeinschaft wider.

Peters Vorfahren stammten ursprünglich aus Ostpreußen und dem Habsburger Reich, bevor sie sich im 19. Jahrhundert in der Westukraine niederließen. Während der Stalin-Ära wurden sie gewaltsam nach Kasachstan deportiert, wo Peter später zur Welt kam. Die genauen Zahlen der nach der Sowjetunion deportierten Deutschen bleiben unklar, doch Millionen Angehörige ethnischer Minderheiten litten unter den stalinistischen Säuberungen – viele wurden in Arbeitslager verschleppt.

1992 zog Peters Familie nach Baden-Württemberg, was sie zwischen zwei Welten stehen ließ: der weiten kasachischen Steppe und der Rhein-Neckar-Region in Deutschland. Sie erinnert sich an den Geruch von Gummibärchen als ein kindliches Symbol für Deutschland – eine kleine, aber lebendige Erinnerung aus ihren frühen Jahren.

Vor dem Workshop unterrichtete Peter junge Journalisten am Goethe-Institut in Almaty und betonte die Bedeutung kultureller Vielfalt im Geschichtenerzählen. Ihre Session im Deutschen Haus inspirierte mindestens eine Teilnehmerin, einen Blog zu starten – motiviert durch Peters Worte und Anleitung.

Der Tag endete mit einer Lesung aus Peters Autobiografie "Deutsch genug?" (Erscheinungsjahr Frühling 2025). Das Buch schildert ihren persönlichen Weg und steht zugleich für die Erfahrungen vieler Russlanddeutscher. Die Lesung vereinte die Zuhörer in einem Moment der Reflexion und gemeinsamen Emotion.

Peters Workshop und Buchvorstellung unterstrichen das anhaltende Erbe der durch Stalins Politik vertriebenen Russlanddeutschen. Ihre Geschichte, nun in "Deutsch genug?" festgehalten, gibt einer oft übersehenen Vergangenheit eine Stimme. Die Veranstaltung ermutigte auch andere, ihre eigenen Erlebnisse zu dokumentieren – damit diese Erinnerungen für künftige Generationen bewahrt bleiben.

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