CDU leitet Parteiausschluss nach umstrittenem AfD-Bündnis in Hessen ein
Gretel BirnbaumCDU leitet Parteiausschluss nach umstrittenem AfD-Bündnis in Hessen ein
Der CDU-Kreisverband Groß-Gerau hat Parteiausschlussverfahren gegen Mitglieder eingeleitet, die in Biebesheim am Rhein mit der AfD zusammengearbeitet haben. Der Schritt folgt einer gemeinsamen Abstimmung bei der Wahl der ehrenamtlichen stellvertretenden Bürgermeister. Parteiverantwortliche bezeichnen die Zusammenarbeit als Verstoß gegen eigene Statuten.
Die Entscheidung fällt nach Vorlage einer gemeinsamen Kandidatenliste von CDU- und AfD-Vertretern für die Ämter der stellvertretenden Bürgermeister. Dies widerspricht der langjährigen Linie der CDU, die eine Zusammenarbeit mit der rechtspopulistischen Partei ablehnt.
Der Streit begann, als CDU- und AfD-Gemeinderäte in Biebesheim am Rhein eine gemeinsame Liste für die stellvertretenden Bürgermeisterposten einreichten. CDU-Fraktionschef Ulrich Harth räumte ein, sein Ziel sei gewesen, ein Amt für seine Partei zu sichern, die im 31-köpfigen Gemeinderat acht Sitze hält. Die AfD, die über sechs Sitze verfügt, unterstützte den Vorstoß.
Die gemeinsame Initiative war eine Reaktion auf eine konkurrierende Liste von SPD, Grünen und Freien Wählern, die zusammen 17 Sitze kontrollieren. Zunächst stockte die Sitzung, weil einige Kandidaten ohne ihre Zustimmung aufgenommen worden waren. Nach einer Pause einigte man sich auf eine überarbeitete Liste, wodurch der AfD-Politiker Bernd Kahnert in den Magistrat einzog.
Der hessische CDU-Landesgeschäftsführer Leopold Born sprach sich für konsequentes Vorgehen gegen die Beteiligten aus. Kreisvorsitzender Stefan Sauer bestätigte, dass Ausschlussverfahren unvermeidbar seien, und deutete weitere Schritte an. Die Partei bezeichnete die gemeinsame Abstimmung als nicht abgestimmt und als Verstoß gegen die Beschlüsse von 2018 und 2020, die eine Zusammenarbeit mit der AfD untersagen.
Eine aktuelle Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) zeigt, dass solche Kooperationen kein Einzelfall sind. Zwischen Mitte 2019 und Mitte 2024 waren in fast 19 Prozent von 5.000 kommunalen Abstimmungen direkte Zusammenarbeit mit der AfD zu beobachten. Die Forschung ergab zudem, dass vor allem unabhängige Gemeinderäte und kleinere Parteien mit der rechtspopulistischen Gruppe kooperieren.
Der CDU-Kreisverband Groß-Gerau leitet nun formelle Schritte gegen die beteiligten Mitglieder ein. Der Fall unterstreicht die anhaltenden Spannungen um lokale Bündnisse mit der AfD. Gleichzeitig deutet die WZB-Studie darauf hin, dass solche parteiübergreifenden Kooperationen – wenn auch umstritten – ein wiederkehrendes Phänomen in der deutschen Kommunalpolitik bleiben.






