Entwicklungshilfe in der Krise: NGOs warnen vor Politisierung und Kürzungen bis 2027
Sandro GuteEntwicklungshilfe in der Krise: NGOs warnen vor Politisierung und Kürzungen bis 2027
Entwicklungshilfe in Deutschland steht vor tiefgreifenden Veränderungen und Herausforderungen. Seit 2022 hat die Bundesregierung das Budget für Entwicklungszusammenarbeit bereits um ein Drittel gekürzt – bis 2027 sind weitere Kürzungen zu erwarten. Nichtregierungsorganisationen (NGOs) zeigen sich nun besorgt über die Ausrichtung der Reformen und deren Auswirkungen auf die globale Zusammenarbeit.
In einem gemeinsamen Bericht warnen Welthungerhilfe und Terre des Hommes, dass die zunehmende Politisierung der Entwicklungshilfe ihre grundlegenden Prinzipien untergräbt: Bedarfsorientierung, Neutralität und Unabhängigkeit. Die Organisationen betonen, dass wirtschaftliche Zusammenarbeit nur dann funktionieren kann, wenn sie sich an lokalen Akteuren orientiert und die Interessen Deutschlands mit denen der Partnerländer in Einklang bringt.
Mathias Mogge, Generalsekretär der Welthungerhilfe, und Joshua Hofert, sein Amtskollege bei Terre des Hommes, wiesen auf den wachsenden Druck auf die Entwicklungspolitik hin. Als zentrale Faktoren nannten sie sich verschärfende Krisen, Kriege und den Klimawandel. Mogge unterstrich, dass Reformen Qualität vor Quantität stellen müssten – durch weniger Bürokratie und mehr Autonomie für die Zivilgesellschaft.
Die NGOs begrüßten zwar die Neuausrichtung der Politik, kritisierten jedoch das Fehlen einer kohärenten Strategie in den vom Entwicklungsminister Reem Alabali-Radovan vorgelegten Reformplänen. Sie forderten das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) auf, zivilgesellschaftliche Akteure in Deutschland und den Partnerländern aktiv in die Gestaltung der Veränderungen einzubinden. Hofert betonte, dass die Reformen kein „Berlin-gesteuertes Projekt“ sein dürften, sondern von Anfang an Partnerstaaten, lokale Gruppen und junge Menschen einbeziehen müssten.
Die Organisationen forderten zudem eine deutliche Aufstockung der Mittel für humanitäre Hilfe. Für den nächsten Bundeshaushalt schlagen sie vor, die Summe von derzeit einer Milliarde Euro auf 2,8 Milliarden Euro zu erhöhen. Mogge ergänzte, dass die Gelder präventive Maßnahmen stärken sollten – und nicht nur kurzfristige Krisenreaktionen finanzieren.
Ziel der Reformen ist es, die deutsche Entwicklungspolitik angesichts wachsender globaler Herausforderungen neu auszurichten. Zivilgesellschaftliche Gruppen pochen auf mehr Teilhabe und eine Konzentration auf nachhaltige Lösungen. Ihre Forderungen umfassen höhere Mittel, einen partizipativeren Ansatz – und die Gewährleistung, dass Hilfe wirksam und principiengeleitet bleibt.
