Grimme Online Award: Zwei Preisträger lehnen Auszeichnung aus Protest ab
Selma SchmiedtGrimme Online Award: Zwei Preisträger lehnen Auszeichnung aus Protest ab
Die Verleihung des Grimme Online Awards nahm eine unerwartete Wendung, als zwei Preisträger ihre Auszeichnung aus Protest ablehnten. Die Regisseure Moritz Riesewieck und Hans Block ließen ihren Preis nach einer umstrittenen Rücknahme der Auszeichnung für eine andere Preisträgerin einfach auf der Bühne zurück. Bei der Veranstaltung wurden zudem Projekte zu den Themen Gesundheit, Geschichte und soziale Fragen gewürdigt.
Der Streit begann, als der unabhängige Förderverein Verein der Freunde des Adolf-Grimme-Preises der jungen Aktivistin Judith Scheytt die Auszeichnung entzog. Die Entscheidung folgte auf Kritik und Antisemitismusvorwürfe, wobei sich einige Jurymitglieder dagegen aussprachen. Grimme-Direktorin Çiğdem Uzunoğlu bezeichnete den Entzug später als "formell inkorrekt" und kündigte eine künftige Debatte über den Vorfall an.
Als Reaktion darauf legten Riesewieck und Block – ausgezeichnet für ihren Podcast Parlamentsrevue – ihren Preis auf das Podium und verließen die Bühne. Block verurteilte die Rücknahme als Angriff auf die Unabhängigkeit der Jury, während Riesewieck Uzunoğlu vorwarf, sich der Verantwortung zu entziehen. Ein Mitarbeiter des Grimme-Instituts räumte den zurückgelassenen Preis später weg.
Zu den weiteren prämierten Projekten zählte Herbst 89, ein Spiel, das Szenen aus den letzten Tagen der DDR nachstellt. Im Gesundheitsbereich reichten die Auszeichnungen von Gynaekollege, das gynäkologische Beratung anbietet, bis hin zu Femizide stoppen, das Femizide dokumentiert. Auch psychische Gesundheit und die Sensibilisierung für Behinderungen standen im Fokus, etwa durch Formate wie Little Monsters und Barrierebrecher.
Die Veranstaltung endete mit ungelösten Spannungen um den entzogenen Preis. Uzunoğlu kündigte an, den Grimme-Preis künftig vom Förderverein zu trennen und die Entscheidungsprozesse zu überprüfen. Die ausgezeichneten Projekte – zu Politik, Gesundheit und Geschichte – bleiben der Öffentlichkeit weiterhin zugänglich.