Grüne ringen um junge Männer – zwischen AfD-Trend und Feminismus-Debatte
Sandro GuteGrüne ringen um junge Männer – zwischen AfD-Trend und Feminismus-Debatte
Junge Männer in Deutschland wenden sich zunehmend der rechtspopulistischen AfD zu, während ihre Altersgenossinnen eher linksliberale Parteien bevorzugen. Diese Entwicklung hat die Führung der Grünen dazu veranlasst, ihre Strategie zur Ansprache junger männlicher Wähler grundlegend zu überdenken. Aktuelle Versuche, die Kluft zu überbrücken, sorgen innerhalb der Partei jedoch sowohl für Diskussionen als auch für Kritik.
Die Spaltung zeigte sich deutlich bei der letzten Bundestagswahl: Junge Männer stimmten mehrheitlich für die AfD, während junge Frauen sich vermehrt für linksliberale Optionen entschieden. Dieser Trend zwingt die Grünen, nach neuen Wegen zu suchen, um männliche Wähler zu erreichen.
Felix Banaszak, Co-Vorsitzender der Grünen, wagte im Februar einen vielbeachteten Vorstoß – mit einem Interview im Playboy. Darin argumentierte er, dass starre Geschlechterrollen Männer genauso einschränken wie Frauen, und rief Männer dazu auf, Feminismus als Chance für alle zu begreifen. Sein in Pink gestrichenes Büro symbolisiert dabei seine Ablehnung traditioneller Männlichkeitsklischees.
Doch nicht alle in der Partei stehen hinter dieser Strategie. Der Bundesfrauenrat, ein wichtiges Gremium der Grünen, hinterfragte Banaszaks Fokus auf eine „Männerpolitik“ und äußerte Unmut über die neue Ausrichtung. Gleichzeitig forderte Rasmus Andresen, Europaabgeordneter der Grünen, einen grundsätzlichen Tonwechsel, um gemeinsame Schnittmengen mit jungen Männern zu finden.
Die Herausforderung ist offensichtlich: Die Botschaften von AfD-Politiker Maximilian Krah finden bei verunsicherten jungen Männern großen Anklang. In einem Video vor der Europawahl 2024 deutete Krah an, dass Partnerschaftsprobleme durch ein „Rechtssein“ gelöst werden könnten. Banaszak räumte ein, dass sein progressiver Ansatz gegen diese einfache Verlockung nur schwer bestehen kann.
Die Debatte ist nicht neu. Bereits 2010 veröffentlichten 21 grüne Politiker ein Manifest mit dem Titel „Männer, gebt Macht ab! Es lohnt sich.“ Und vor zwei Jahrzehnten trug Torwart Tim Wiese ohne größere Kritik Pink auf dem Platz – ein Zeichen dafür, wie sehr sich die Einstellung zu Männlichkeit gewandelt hat.
Die Grünen stehen nun vor einem Dilemma: Wie lassen sich junge männliche Wähler zurückgewinnen, ohne die eigene Kernklientel zu verprellen? Banaszaks Initiativen zeigen, dass die Geschlechterpolitik zunehmend auch männliche Perspektiven einbeziehen muss. Ob die Strategie aufgeht, bleibt abzuwarten – doch die Diskussion hat bereits tiefe Gräben innerhalb der Partei offenbart.






