30 March 2026, 04:10

Mainzer Dreigroschenoper glänzt mit Witz und scharfem Brecht-Geist

Buntes Plakat für das Musical "Les Saltimbanques" im Theatre de la Renaissance mit einer Zirkusszene-Illustration und einer Besetzungsliste.

Mainzer Dreigroschenoper glänzt mit Witz und scharfem Brecht-Geist

Das Staatstheater Mainz bringt Die Dreigroschenoper mit frischem, verspieltem Charme auf die Bühne

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Unter der Regie von Jan Neumann inszeniert, vereint die Neuproduktion des Staatstheaters Mainz Humor und selbstironische Leichtigkeit, ohne Bertolt Brechts scharfe Gesellschaftskritik zu verwässern. Die Aufführung sorgt bereits für Aufsehen – nicht nur wegen der Bühnendarbietungen, sondern auch dank einer jüngsten Lichtinstallation an der Theaterfassade.

Am 27. September erstrahlte die Außenwand des Theaters im Rahmen von Mainz leuchtet mit projizierten Zitaten aus Brechts Meisterwerk. Die Aktion unterstrich die zeitlose Aktualität des Stücks, bevor das Publikum im Inneren den eigentlichen Höhepunkt erlebte.

Neumanns Interpretation spielt bewusst mit den Widersprüchen Brechts selbst – ein Kapitalismuskritiker, der zugleich die Mechanismen der Unterhaltungsbranche verstand. Die Produktion scheut sich nicht, ihre eigene Theatralik auf die Schippe zu nehmen, und bewahrt dennoch den rauen Charme der Vorlage. Im Zentrum steht Mackie Messer, ein schlauer Ganove, der sich durch Londons Unterwelt schlängelt. Henner Momann verkörpert die Rolle mit unverfrorener Lässigkeit und heiratet Polly Peachum (Maren Schwier) gegen den Willen ihres Vaters Jonathan (Holger Kraft), eines skrupellosen Bettlerkönigs.

Die Musik bleibt ein Glanzlicht, allen voran Die Moritat von Mackie Messer. Anika Baumanns Sopran-Performance des Liedes elektrisiert das Publikum und erinnert daran, warum Stücke wie dieser Song – oder Die Seeräuber-Jenny – den Ruhm der Dreigroschenoper begründet haben. Mit einer Mischung aus Witz, Satire und eingängigen Melodien läuft die Produktion noch viermal im Jahr 2025: am 2. und 12. Oktober sowie am 2. und 9. November. Für 2026 sind keine weiteren Termine geplant.

Die Ticketpreise liegen zwischen 17,50 und 45,50 Euro, wobei die höheren Kategorien eine Getränkepauschale beinhalten – eine kleine Hommage an die Verbindung von Hochkultur und zwielichtigem Vergnügen im Stück selbst.

Diese Wiederbelebung der Dreigroschenoper bietet eine letzte Gelegenheit, Neumanns mutige Deutung eines Klassikers des 20. Jahrhunderts zu erleben. Der verspielte Ton und die starken Darstellungen haben die Produktion zum Gesprächsthema in Mainz gemacht. Wer sie verpasst, hat keine Chance mehr: Eine Verlängerung über November hinaus ist nicht vorgesehen.

Quelle