Proteste in der Mailänder Scala: Ticketpreise steigen erstmals seit zehn Jahren
Gretel BirnbaumProteste in der Mailänder Scala: Ticketpreise steigen erstmals seit zehn Jahren
Mailänder Scala erhöht zum ersten Mal seit zehn Jahren die Ticketpreise – Proteste bei Premiere von Verdis Carmen
Die Mailänder Scala hat zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt die Ticketpreise angehoben – eine Entscheidung, die vor allem bei den treuen Fans in den oberen Rängen auf Unverständnis stößt. Bei der Premiere von Verdis Carmen kam es sogar zu Protesten, als von der Galerie aus Flugblätter in den Saal geworfen wurden.
Betroffen von der Preiserhöhung sind lediglich 36 der 531 Plätze in der zweiten Galerie. Die Tickets für diese Sitze stiegen um über 30 Prozent, wodurch einige Abo-Preise von 800 auf 1.050 Euro kletterten. Im Schnitt fallen die Anpassungen jedoch moderat aus: Ein Platz in der Galerie kostet in dieser Spielzeit durchschnittlich 45,56 Euro, in der nächsten Saison dann 46,94 Euro.
Die Scala ist ohnehin bereits das teuerste Theater Europas – nur das Salzburger Festspielhaus übertrifft sie noch. Die Leitung begründet die Anpassung mit einem notwendigen Haushaltsausgleich, laufenden Tarifverhandlungen und der Verlegung von Werkstätten. Intendant Fortunato Ortombina versicherte, dass es während seiner Amtszeit keine weiteren Preiserhöhungen geben werde.
Die Theaterführung wiegelte die Kritik als übertrieben ab. Doch die langjährigen Unterstützer, bekannt als Loggionisti, äußerten scharfen Widerstand. Lokale Medien wie die La Stampa warnten, die Scala dürfe nicht zu einer Spielstätte für wohlhabende Touristen werden – sonst riskiere sie ihre Zukunft.
Die Änderungen erfolgen nach einer zehnten Jahre währenden Preisstabilität. Die Leitung betont, das Haus müsse sich finanziellen und logistischen Zwängen anpassen. Die Debatte über Zugang und Bezahlbarkeit in einem der berühmtesten Opernhäuser der Welt geht indes weiter.
