17 June 2026, 18:22

RAW-Gelände in Berlin: Subkultur zwischen Abriss und ungewisser Zukunft

Investor ruft Frieden ab

RAW-Gelände in Berlin: Subkultur zwischen Abriss und ungewisser Zukunft

Die Zukunft des Berliner RAW-Geländes, eines langjährigen soziokulturellen Zentrums, steht auf der Kippe. Fast elf Jahre Verhandlungen zwischen der Kurth Gruppe und dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg haben keinen tragfähigen Plan für das Areal hervorgebracht. Der Eigentümer erklärte den Planungsprozess nun für gescheitert – was als Nächstes passiert, bleibt ungewiss.

Die Kurth Gruppe hatte das RAW-Gelände in Friedrichshain 2015 erworben. Seither versuchte der Bezirk, eine Balance zwischen baulicher Entwicklung und dem Erhalt der subkulturellen Wurzeln des Ortes zu finden. 2022 schien ein Durchbruch nah: Der Bezirk bot im Gegenzug für den Schutz des sogenannten „kulturellen L“ einen 100 Meter hohen Büroturm an. Doch die Einigung platzte.

Im Mai 2025 zeichnete sich erneut eine mögliche Lösung ab. Doch der Bezirk verweigerte vorzeitige Baugenehmigungen – die Verhandlungen gerieten ins Stocken. Bereits 2024 hatte sich die Kurth Gruppe aus den Gesprächen zurückgezogen und stattdessen auf lukrativere Wohnprojekte gesetzt.

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Nun wirft die Investorengruppe dem Bezirk vor, das im Mai ausgehandelte Rahmenabkommen ignoriere bisherige Verhandlungen und komme allein Berlin zugute. Ohne Unterstützung des Bezirks und ohne fertigen Bebauungsplan könne man nicht vorankommen. Clubs wie die Cassiopeia, die seit Ende letzten Jahres nur noch auf Abruf spielt, droht die Räumung. Geschäftsführer Florian Falkenhagen wurde mündlich mitgeteilt, der Club müsse bis Monatsende das Gelände verlassen – obwohl die Miete weitergezahlt wird.

Noch am vergangenen Samstag pulsierte das Gelände vor Leben: Bei einer öffentlichen Fußball-Übertragung war der Andrang groß. Doch die Zukunft des RAW-Areals bleibt ungewiss. Mit dem Rückzug der Kurth Gruppe und der Blockadehaltung des Bezirks schwebt der Standort in der Schwebe. Das Scheitern der Verhandlungen gefährdet das Überleben der kulturellen Räume – und mit ihnen ein Stück Berliner Subkultur.

Quelle