29 June 2026, 18:23

Schwarmkraftwerk am Rhein: Wie 124 Mini-Turbinen Strom aus Flussströmung gewinnen

Energyminer's River Turbines Exist. The Cheap Baseload Claim Needs Operating Data.

Schwarmkraftwerk am Rhein: Wie 124 Mini-Turbinen Strom aus Flussströmung gewinnen

Das Unternehmen Energyminer hat eine kleine, schwimmende Strömungsturbine namens Energyfish entwickelt. Das Gerät nutzt die Kraft von Flussströmungen zur Stromerzeugung und leitet die Energie ans Ufer. Derzeit entsteht in St. Goar am Rhein eine Großanlage mit 124 Einheiten – das erste Schwarmkraftwerk dieser Art in diesem Maßstab.

Jede Energyfish-Einheit ist etwa 2,8 Meter lang, 2,4 Meter breit und 1,4 Meter hoch bei einem Gewicht von rund 80 Kilogramm. Sie liefert eine maximale Leistung von 6 Kilowatt und erzeugt laut Energyminer jährlich etwa 15 Megawattstunden Strom. Ein Schwarm von 100 Einheiten könnte somit rund 1,5 Gigawattstunden pro Jahr produzieren.

Das Unternehmen betont, dass Energyfish kontinuierlich arbeitet – unabhängig von Wetter oder Jahreszeit. Die Turbine ist so konstruiert, dass sie Hochwasser standhält, Fische nicht gefährdet und nur minimalen Wartungsaufwand erfordert. Die angegebenen Stromgestehungskosten liegen bei etwa 8 Cent pro Kilowattstunde, bei einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von mindestens 8 Prozent über eine Nutzungsdauer von 20 Jahren.

Flüsse bergen jedoch Herausforderungen: Die Strömung variiert je nach Saison, Treibgut aus Überschwemmungen kann die Anlage beeinträchtigen, Niedrigwasser reduziert die Leistung, und in kälteren Regionen bildet sich Eis. Die installierte Anlage umfasst Genehmigungen, die Vorbereitung des Flussbetts, Verankerungen, Kabel, landseitige Ausrüstung, Netzanschluss, Nutzungsrechte, Überwachungssysteme sowie einen Wartungsplan.

Ein Schwarm mit 124 Einheiten am Rhein würde im Durchschnitt einige hundert Kilowatt erzeugen – nicht etwa Zehntausende Kilowatt. Die Technologie könnte besonders für abgelegene Gemeinden interessant sein, die auf Dieselgeneratoren angewiesen sind, sofern ein kräftiger Flussstrom verfügbar ist. In netzgebundenen Regionen muss sie sich hingegen gegen andere saubere Energiequellen behaupten, um wettbewerbsfähig zu sein.

Das Projekt in St. Goar zeigt das Potenzial von schwarmbasierter Strömungsenergie. Zwar liefert jede Einheit nur moderate Leistung, doch gemeinsam bieten sie eine stetige, erneuerbare Energiequelle. Der Erfolg des Systems hängt davon ab, ob es gelingt, die Herausforderungen der Flussbedingungen zu meistern und die Wirtschaftlichkeit im Vergleich zu alternativen Energielösungen unter Beweis zu stellen.

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