Sechs Gemeinden gründen Genossenschaft gegen akuten Hausärztemangel in der Region
Sandro GuteSechs Gemeinden gründen Genossenschaft gegen akuten Hausärztemangel in der Region
Sechs Gemeinden in der Region Bopfingen, Ries und Härtsfeld haben sich zusammengeschlossen, um dem wachsenden Mangel an Hausärzten entgegenzuwirken. Die neu gegründete Genossenschaft IpfMED soll die langfristige medizinische Versorgung sichern, da fast die Hälfte der aktuellen Ärzte kurz vor dem Renteneintritt steht. Mit 44 Prozent der Hausärzte über 60 Jahren sieht sich die Region mit einem dringenden Handlungsbedarf konfrontiert.
Die Genossenschaft ist die vierte ihrer Art im Landkreis Ostalbkreis – nach MEDWALD, VirnMED und KocherMED. Sie wird bestehende Praxen übernehmen oder medizinische Versorgungszentren (MVZ) gründen, um attraktive Arbeitsplätze für Ärztinnen und Ärzte aller Altersgruppen zu schaffen. Die Mitgliedschaft ist flexibel gestaltet: Gemeinden und Mediziner können je nach Bedarf beitreten oder austreten, wobei sich die Beiträge nach der Einwohnerzahl richten und jeder teilnehmende Arzt einen Anteil zahlt.
Bopfingens Bürgermeister bezeichnete IpfMED als ein "Notkonstrukt der Gesundheitspolitik" und wies damit auf das Fehlen einer umfassenden landesweiten Lösung hin. Das Problem beschränkt sich nicht auf die Region: In Baden-Württemberg sind derzeit fast 1.000 Stellen für Hausärzte unbesetzt – und die Zahl steigt weiter an.
Aktuell liegt die Versorgungsquote mit Hausärzten in Bopfingen/Ries bei 94 Prozent, doch die bevorstehende Rentnerwelle droht, den Zugang zur medizinischen Grundversorgung zu erschweren. Ohne Gegenmaßnahmen wird sich die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage voraussichtlich weiter vergrößern.
Die Genossenschaft IpfMED bietet einen strukturierten Ansatz, um Ärzte in einer Region zu halten und neue zu gewinnen, die fast die Hälfte ihrer Hausärzte zu verlieren droht. Durch stabile Arbeitsbedingungen soll einer weiteren Verschärfung des Mangels in der Primärversorgung vorgebeugt werden. Die Initiative unterstreicht zugleich die übergeordnete Herausforderung, vor der die ländliche Gesundheitsversorgung im gesamten Land steht.
