Söder ignoriert CDU-Niederlage in Baden-Württemberg und setzt auf Wirtschaftskurs
Gretel BirnbaumSöder ignoriert CDU-Niederlage in Baden-Württemberg und setzt auf Wirtschaftskurs
Die konservative Unionsfraktion zeigt sich unbeeindruckt von der Landtagswahl in Baden-Württemberg, bei der die Grünen die CDU nur knapp überflügelten. CSU-Chef Markus Söder wies jeden Hinweis auf einen bundesweiten Rückschlag zurück und forderte stattdessen eine erneute Konzentration auf das Wirtschaftswachstum. Gleichzeitig gratulierte er Cem Özdemir, dem Spitzenkandidaten der Grünen, zum Sieg, kritisierte jedoch die Kampagnenführung im Wahlkampf.
Die Grünen sicherten sich zwar einen knappen Vorsprung, doch Söder betonte, die Union Berlin werde in der neuen Landesregierung eine noch einflussreichere Rolle spielen als zuvor. Die knappe Niederlage der Union Berlin führte er auf eine "schmutzige Kampagne" zurück und verwies dabei auf zwei umstrittene Videos des CDU-Kandidaten Manuel Hagel. In einem Clip war Hagel mit einer unglücklichen Bemerkung über die "rehbraunen Augen" einer Schülerin zu sehen, die er später als Fehler einräumte. Ein weiteres Video zeigte ihn in einer weiteren peinlichen Situation während eines Schulbesuchs.
Söder wies die Deutung zurück, das Ergebnis deute auf eine Renaissance der Grünen hin, und bezeichnete Özdemir als "zentralistischen Bundespolitiker", der möglicherweise doch den kooperativeren föderalistischen Kurs seines Vorgängers Winfried Kretschmann übernehmen könnte. Seit März 2021 hat sich die Haltung Baden-Württembergs im Bundesrat von einer Zusammenarbeit mit der Union hin zu wachsender Opposition gewandelt – besonders nach dem Regierungswechsel auf Bundesebene 2021. Streitigkeiten über den Länderfinanzausgleich, die Klimapolitik und das Asylrecht haben die Gräben vertieft, wobei das Land häufig gegen unionsgeführte Vorhaben stimmt.
Für die Zukunft mahnte Söder die Union an, nun die Wirtschaftspolitik in den Vordergrund zu stellen, da sich die Sorgen um Migration abgeflacht hätten. Trotz der anhaltenden Spannungen hofft er auf eine bessere Zusammenarbeit im Bundesrat und in der Ministerpräsidentenkonferenz.
Laut Söder geht die Union gestärkt aus der Wahl hervor und werde in der neuen Landesregierung eine stärkere Position einnehmen. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Union sich erholen und ihre wirtschaftliche Agenda vorantreiben könne. Die Beziehung zwischen Baden-Württemberg und der Bundesregierung bleibt angesichts anhaltender politischer Differenzen jedoch voraussichtlich angespannt.
