Streit um Löschung von Unternehmensdaten: Forscher warnen vor Folgen für die Wissenschaft
Selma SchmiedtStreit um Löschung von Unternehmensdaten: Forscher warnen vor Folgen für die Wissenschaft
Der Deutsche Bundestag prüft derzeit einen Gesetzentwurf, der vorsieht, Unternehmensidentifikationsnummern nach einem Jahrzehnt aus behördlichen Registern zu löschen. Die geplante Änderung des Bundesstatistikgesetzes stößt bei Forschern und Ökonomen auf Widerstand. Kritiker warnen, dass dadurch wirtschaftswissenschaftliche Studien stark eingeschränkt werden könnten, die auf langfristige Datenerhebungen angewiesen sind.
Aktuell verwendet das Statistische Bundesamt im Rahmen des AFiD-Projekts für jedes Unternehmen dieselbe Identifikationsnummer in allen Erhebungen. Dieses System ermöglicht es Wissenschaftlern, die Entwicklung von Betrieben über viele Jahre hinweg zu verfolgen. Der geplante Gesetzesentwurf würde jedoch vorsehen, diese Identifikationsnummern nach zehn Jahren zu löschen – und damit die Kontinuität von Datensätzen unterbrechen.
Der Verein für Socialpolitik, die deutsche Ökonomenvereinigung, hat sich in einem offenen Brief öffentlich gegen die Pläne ausgesprochen. Die Experten betonen, dass der Verlust von Längsschnittdaten die akademische Forschung und die politikberatende Analyse schwer beeinträchtigen würde. Auch Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst, hat sich gegen die Einschränkung positioniert und deren negative Auswirkungen auf evidenzbasierte Entscheidungsprozesse hervorgehoben.
Befürworter des bisherigen Systems verweisen darauf, dass bereits strenge Schutzmechanismen bestehen, um die Vertraulichkeit von Unternehmensdaten zu gewährleisten. Statt die Speicherfristen zu begrenzen, fordern sie die Abgeordneten auf, sich auf die Verbesserung der amtlichen Statistik zu konzentrieren.
Sollte die Novelle verabschiedet werden, könnten Forscher künftig keine Unternehmen mehr über längere Zeiträume hinweg analysieren. Dies würde die Qualität wirtschaftswissenschaftlicher Studien und politischer Handlungsempfehlungen mindern. Nun müssen die Abgeordneten abwägen, ob sie Datenschutzbedenken höher gewichten oder die langfristigen Forschungskapazitäten erhalten wollen.






