Stuttgart testet quantengesicherte Netzwerke unter Realbedingungen
Selma SchmiedtStuttgart testet quantengesicherte Netzwerke unter Realbedingungen
Neues deutsches Forschungsprojekt QCyber testet quantengesicherte Anwendungen in realem Glasfasernetz in Stuttgart
Das neue Forschungsprojekt QCyber wird quantengesicherte Anwendungen in einem realen Glasfasernetz in Stuttgart erproben. Die mit 6 Millionen Euro geförderte Initiative zielt darauf ab, die Lücke zwischen einfachen Quantennetzen für zwei Teilnehmer und den komplexen Mehrnutzer-Systemen zu schließen, die für die digitale Infrastruktur der Zukunft erforderlich sind.
QCyber läuft von Anfang 2026 bis Ende 2028 und vereint akademische sowie industrielle Partner, darunter drei Institute der Universität Stuttgart, die Universität Würzburg, die TU Berlin, Swabian Instruments, Nokia und das Forschungsnetzwerk ARENA2036. Ziel ist es, bis zu sechs Knotenpunkte über eine Strecke von 20 Kilometern zu vernetzen – unter realistischen Bedingungen für die Quantenkommunikation.
Anders als bei früheren Laborversuchen wird QCyber sein Netzwerk in einer operativen Umgebung aufbauen und die Standorte Vaihingen und Stadtmitte in Stuttgart verbinden. Das Team erforscht dabei nicht nur abhörsichere Nachrichtenübermittlung, sondern auch Anwendungen wie sichere Mehrparteienberechnungen und quantengestütztes elektronisches Wählen. In Workshops bei ARENA2036 wird zudem untersucht, wie sich Quantenkommunikation in bestehende Cybersicherheits-Systeme integrieren lässt.
Das Projekt ist Teil der bundesweiten Bestrebungen, die Quantentechnologie-Infrastruktur in Deutschland auszubauen. Initiativen wie die Nationale Quantentechnologie-Strategie (3 Milliarden Euro, 2020–2026), das BMBF-Flaggschiffprogramm Quantentechnologien sowie EU-Fördermittel über das Quantum Flagship und das Programm Digitales Europa könnten in den kommenden Jahren ähnliche Testumgebungen in Städten wie München, Berlin, Darmstadt und Hamburg ermöglichen.
Die Erkenntnisse von QCyber werden praktische Einblicke liefern, wie Quantennetze für Europas sichere digitale Zukunft skaliert werden können. Der Fokus auf realweltliche Einsatzszenarien und Mehrnutzer-Anwendungen unterscheidet das Projekt von früheren Forschungsarbeiten. Bei Erfolg könnte es den Weg für eine breitere Einführung von Quantentechnologien in kritischen Infrastrukturen ebnen.
