09 May 2026, 22:11

Venedigs Biennale 2024: Boykott, Rücktritte und ein Publikum als Jury

Plakat für Imre Kiralfys Super-Spektakel in Venedig in der Olympia, das kostümierte Künstler vor einem gebogenen und säulenartigen Gebäude mit Laternen und Bäumen im Hintergrund zeigt.

Venedigs Biennale 2024: Boykott, Rücktritte und ein Publikum als Jury

Die 61. Biennale von Venedig hat für das Publikum geöffnet – mit 100 Nationalpavillons und 111 teilnehmenden Künstlern und Künstlerinnen. Unter dem diesjährigen Motto „In Moll“ steht die Veranstaltung jedoch im Schatten einer hochkarätigen Boykottbewegung und des Rücktritts aller fünf Jurymitglieder. Politische Spannungen überlagern mittlerweile die ausgestellten Kunstwerke, während Forderungen laut werden, bestimmte Länder von der Preisvergabe auszuschließen.

Die Biennale startete mit Ausstellungen an verschiedenen Orten Venedigs, darunter 31 Begleitveranstaltungen. Portugals Beitrag, „RedSkyFalls“ des Künstlers Alexandre Estrela, ist im Palazzo Fondaco Marcello zu sehen. Estrela hat sich öffentlich gegen die Teilnahme Russlands und Israels ausgesprochen und damit die politischen Konflikte um die Veranstaltung weiter angeheizt.

Der russische Pavillon präsentiert „Der Baum hat seine Wurzeln im Himmel“ mit Werken von rund 40 Künstlern. Israels Ausstellung „Rose des Nichts“ findet im Arsenale statt. Beide Länder gerieten ins Zentrum des Boykotts durch die internationale Jury, die sich weigerte, Staaten zu berücksichtigen, deren Führungspersonen sich wegen des Vorwurfs von Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor dem Internationalen Strafgerichtshof verantworten müssen.

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Am 30. April traten alle fünf Jurymitglieder gemeinsam zurück. Ihr Rückzug zwang die Organisatoren, die Verleihung der Goldenen Löwen zu verschieben und stattdessen ein „Publikumslöwen“-Modell* einzuführen. Die Preise werden nun am 22. November bekannt gegeben.

Jenseits der Kontroversen rückt die Biennale auch die lusophonen Beiträge in den Fokus: Brasilien und Osttimor zeigen sich gemeinsam mit Portugal als Vertreter der portugiesischsprachigen Länder.

Trotz der Turbulenzen geht die Biennale weiter – mit einem neuen Abstimmungssystem und verschobenen Preisverleihungen. Der Boykott hat die Art und Weise, wie die Auszeichnungen vergeben werden, grundlegend verändert: Statt von Juroren entscheidet nun das Publikum mit. Die Veranstaltung bleibt zwar eine der wichtigsten Plattformen für globale Kunst, doch die politischen Auseinandersetzungen ziehen mittlerweile ebenso viel Aufmerksamkeit auf sich wie die Kunstwerke selbst.

Quelle