Wie Hindenburgs Flaggenverordnung 1926 die Weimarer Republik spaltete
Selma SchmiedtWie Hindenburgs Flaggenverordnung 1926 die Weimarer Republik spaltete
Am 5. Mai 1926 erließ Reichspräsident Paul von Hindenburg die Zweite Flaggenverordnung der Weimarer Republik. Das Vorhaben sollte einen langwierigen Streit über die nationalen Farben Deutschlands beilegen. Doch statt den Konflikt zu entschärfen, vertiefte es die politischen Gräben.
Die Flaggenfrage spaltete Deutschland bereits seit Jahren. Die Rechte bevorzugte die alten kaiserlichen Farben Schwarz-Weiß-Rot, während die Linke und die Mitte für Schwarz-Rot-Gold eintraten. Bis zur Reichspräsidentenwahl 1925 hatten sich zwei Lager verfestigt: der Schwarz-Rot-Gold-Volksblock und der Schwarz-Weiß-Rot-Reichsblock.
Frühere Versuche, die Streitfrage zu lösen, waren gescheitert. Ein Kompromiss der Nationalversammlung aus dem Jahr 1922 hatte beide Flaggen zugelassen – Schwarz-Rot-Gold als Nationalflagge und eine Handelsflagge, die beide Farbgebungen vereinte. Doch auch dies milderte die Spannungen kaum. Der Reichskunstwart Edwin Redslob sammelte zwar Entwürfe für eine einheitliche Flagge, konnte die Blockade jedoch nicht durchbrechen.
Anfang 1926 trieb die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) die Rückkehr zu den kaiserlichen Farben voran. Der parteilose Reichskanzler Hans Luther reagierte auf ihren Antrag mit dem Vorschlag einer neuen Verordnung. Hindenburg übernahm den Plan in der Hoffnung, die Gemüter zu beruhigen. Sein Erlass schrieb vor, dass deutsche Vertretungen außerhalb Europas beide Flaggen hissen mussten: die Nationalflagge und die Handelsflagge.
Doch die Verordnung erfüllte die Forderungen der Rechten nicht. Hindenburg versuchte, die Enttäuschung mit einem offenen Brief abzumildern und rief zu einer verfassungsgemäßen Lösung auf. Dennoch blieb Luthers Regierung angreifbar. Die Linke und die Mitte, verärgert über den Schritt, scharten sich nur noch entschlossener um Schwarz-Rot-Gold.
Die Zweite Flaggenverordnung scheiterte daran, das Land zu einen. Stattdessen zementierte sie die politischen Gegensätze in der Symbolfrage. Der Streit um die deutschen Farben sollte noch lange nach dem Erlass weiterschwelen.






