Wie Österreichs Schimpfkultur und radikale Freundlichkeit den Alltag verändern
Sandro GuteWie Österreichs Schimpfkultur und radikale Freundlichkeit den Alltag verändern
Eine aktuelle Beobachtung aus Österreich wirft ein Schlaglicht auf kulturelle Eigenheiten und persönliche Reflexionen über Sprache und Verhalten. Das Land besticht durch einen reichen Wortschatz an Schimpfwörtern und eine ganz eigene Herangehensweise an das Fluchen – Themen, die aktuell für Gesprächsstoff sorgen. Auch ein Buch mit dem Titel „Radikale Freundlichkeit“ hat zu einer neuen Perspektive auf alltägliche Ärgerlichkeiten angeregt.
Die Österreicher:innen sind berüchtigt für ihre kreative Schimpfkultur: Über 50 Begriffe für „Idiot“ sind im Umlauf, darunter Klassiker wie Dodel, Wappler oder Vollkoffer. Fluchen gilt hierzulande oft als Kraftquelle oder gar als eine Art „Wut-Yoga“ – ein Zeichen für die kulturelle Verankerung des Phänomens.
Auf der Südautobahn etwa werden Langsamfahrer auf der Überholspur offenbar nicht als Nervfaktor, sondern als „Energielieferanten“ wahrgenommen – eine ungewöhnliche Haltung, die mit gängigen Reaktionen anderswo bricht.
Die zufällige Entdeckung von „Radikale Freundlichkeit“ in einem österreichischen Buchladen brachte die Autorin dazu, ihren Umgang mit Alltagsärger zu überdenken. Statt selbstabwertender Sprache schlägt sie vor, sich als „kognitiven Minimalisten“ zu bezeichnen. Zudem will sie künftig auf kleine Unannehmlichkeiten mit Dankbarkeit statt mit Verärgerung reagieren.
Das Ziel: ein freundlicherer Grundtenor im Denken, bei dem Selbstkritik durch positive Formulierungen ersetzt wird. Selbst bei kleinen Störungen soll es ein „Danke“ statt ein genervtes „Typisch!“ geben. Die Hoffnung: weniger Stress im Alltag und bessere zwischenmenschliche Begegnungen.






