21 March 2026, 06:11

Schwarzer Donnerstag: Wie Stuttgart 21 die Stadt spaltete und Karrieren zerstörte

Polizeibeamte in schwarzen Uniformen und Masken stehen vor einer Menge während einer Demonstration, mit einer Brücke und einem Gebäude im Hintergrund.

Schwarzer Donnerstag: Wie Stuttgart 21 die Stadt spaltete und Karrieren zerstörte

Vor 15 Jahren erreichte der Streit um Stuttgart 21 mit dem sogenannten Schwarzen Donnerstag seinen Höhepunkt. Am 30. September 2010 kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, als die Polizei Demonstranten aus dem Schlossgarten räumte. Die Konfrontation endete mit Hunderten Verletzten und markierte einen Wendepunkt in der langjährigen Kontroverse um das Bahnprojekt.

Die Ereignisse dieses Tages prägten die öffentliche Wahrnehmung des Projekts und seiner politischen Unterstützer nachhaltig – für einige Akteure hatten sie weitreichende Folgen.

Die Krise begann, als die Behörden damit begannen, die Besetzer des Schlossgartens zu vertreiben. Mit massivem Polizeiaufgebot, darunter Wasserwerfer, wurde das Gelände geräumt. Im Chaos traf ein Wasserstrahl den bis dahin weitgehend unbekannten Protestler Dietrich Wagner ins Gesicht. Er erlitt schwere Augenverletzungen und war beinahe erblindet. Sein Bild wurde zum Symbol für die Brutalität dieses Tages.

Stefan Mappus, damals CDU-Ministerpräsident von Baden-Württemberg, hatte den Polizeieinsatz am Vortag genehmigt. Zwar konnte nie ein direkter Einfluss nachgewiesen werden, doch seine Rolle stieß auf Kritik. Siegfried Stumpf, der damalige Stuttgarter Polizeichef, trug die Hauptverantwortung für die Durchführung der Aktion. 2015 erhielt er einen Strafbefehl wegen fahrlässiger Körperverletzung im Amt.

Unter den Demonstranten entwickelte sich Matthias von Herrmann zu einer der führenden Stimmen. Als Sprecher der Parkschützer-Initiative vertrat er die Protestbewegung jahrelang. Gleichzeitig trat Tanja Gönner, die für Stuttgart 21 zuständige Verkehrsministerin, später in den von Heiner Geißler geleiteten Schlichtungsgesprächen 2011 auf und positionierte sich als Befürworterin des Projekts.

Die Folgen des Schwarzen Donnerstags veränderten Karrieren und Reputationen. Einige, wie Wagner, wurden unfreiwillig zu Symbolfiguren des Konflikts. Andere, darunter Stumpf, mussten juristische Konsequenzen tragen oder zogen sich aus der Öffentlichkeit zurück.

Die Ereignisse des 30. September 2010 hinterließen tiefe Spuren in der politischen und gesellschaftlichen Landschaft Stuttgarts. Hunderte wurden verletzt, und die Gegner des Bahnprojekts erhielten mehr Aufmerksamkeit. Für alle Beteiligten – ob als Demonstranten, Polizisten oder Politiker – reichten die Auswirkungen dieses Tages weit über die unmittelbaren Auseinandersetzungen hinaus.

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Rechtliche Urteile, öffentliche Debatten und sich wandelnde politische Dynamiken folgten und machten den Schwarzen Donnerstag zu einem prägenden Moment in der Geschichte von Stuttgart 21.

Quelle